Wie emotional intelligente Menschen mit schwierigen Menschen umgehen

Sie lauern überall: Tratschtanten, Narzissten, Besserwisser, Choleriker. Manche Menschen sind subjektiv gesehen schwierig einzuschätzen und schwierig den richtigen Umgang mit ihnen zu finden. Deren Verhalten zu durchschauen ist wirklich nicht einfach. Oft sorgen sie für Streit, Stress oder Chaos.
Während die einen sich oft gar nicht bewusst sind, was sie eigentlich anrichten, scheinen manch andere sogar eine Art Freude dabei zu empfinden, ihre Mitmenschen zu drangsalieren.

Egal mit welchem der Typen Sie es zu tun haben, beide verursachen vor allem eines: Stress. Je länger dieser Stress andauert, desto größer ist der Schaden. So kann wochenlanger Stress zu reversiblen Schäden an den neuronalen Dendriten führen, die für die Übertragung von Reizen im Körper verantwortlich sind. Wenn der Stress noch länger andauert, können diese Neuronen sogar dauerhaft zerstört werden. Schwierige Menschen sind also eine gute Quelle für massive Stressreaktionen.

Wie ich in einem meiner letzten Artikel beschrieben habe, korreliert die Fähigkeit, Emotionen zu managen und unter Stress ruhig zu bleiben, direkt mit Ihrem Erfolg. Erfolgreiche Menschen mit einem hohen emotionalen Quotient haben ausgefeilte Bewältigungsstrategien, mit denen sie schwierige Menschen in Schach halten.

Es gibt zahlreiche Ratschläge und Strategien, wie Sie am besten mit solchen Menschen in Ihrem Umfeld umgehen können. Ich werde mich im Folgenden auf die konzentrieren, mit denen ich persönlich in der Vergangenheit die größten Erfolge erzielt habe.
Generell ist es meiner Meinung nach am wichtigsten, dass Sie sich bewusst machen, wo Sie eingreifen können und was Sie nicht ändern können. Wie immer gilt auch hier: Sie können weit mehr beeinflussen als Sie denken.

1. Schalten Sie auf Durchzug

Wer kennt Sie nicht, die Nörgler und Schwarzseher. Sie lieben es, sich auf Problemen und nicht auf Lösungen zu konzentrieren. Sie möchten, dass andere regelrecht mitleiden - erst dann fühlen sie sich besser. Um nicht als unhöflich oder arrogant zu wirken, hören die meisten Menschen auch zu. Eine wirksame Strategie bei solchen Typen besteht darin, ihn oder sie fragen, was diese selbst gedenken zu tun, um das Problem zu beheben. Diese Fragestellung führt zu zwei möglichen Ausgängen: Entweder beendet der andere abrupt das Gespräch oder es wird in eine produktive Richtung gelenkt.

2. Seien Sie sich Ihrer Gefühle bewusst

Das Aufrechterhalten einer emotionalen Distanz erfordert vor allem eines: Bewusstheit. Sie selbst nicht erkennen, was gerade passiert, können Sie andere nicht davon abhalten, die Grenzen zu übertreten. Wenn Sie sich in einer Situation befinden, in der Sie sich erst orientieren müssen, ist das in Ordnung. Haben Sie dann keine Angst, sich etwas Zeit dafür zu nehmen und zunächst auf Abstand zu gehen.

3. Behalten Sie die Oberhand

Je schwieriger ein Mensch ist, desto irrationaler ist sein Verhalten. Je irrationaler und absurder dieses Verhalten nun ist, desto leichter wird es für Sie, sich daraus zu befreien. Denn so können Sie das Ganze als ein Art Experiment betrachten und sich emotional von Ihrem Gegenüber distanzieren. So können Sie sich bewusst entscheiden, nicht das emotionale Chaos zu reagieren, sondern nur auf Fakten.

4. Konzentrieren Sie sich auf das Positive

Es ist eine einfache Rechnung: Das, wohin Ihre Aufmerksamkeit fließt, bestimmt Ihren emotionalen Zustand. Wenn Sie sich auf Probleme konzentrieren, erzeugen und verlängern Sie negative Emotionen und Stress. Wenn Sie sich auf positives und aktives Handeln fokussieren, damit sich die Umstände verbessern, schaffen Sie ein Gefühl der Wirksamkeit, das Stress reduziert. Wenn Sie sich bei schwierigen Menschen nur darauf konzentrieren, wie sehr sie Sie nerven und wie schwierig sie sind, geben Sie ihnen die Macht über Sie. Hören Sie auf darüber nachzudenken, wie schwierig diese Person ist, und konzentrieren Sie sich stattdessen auf etwas Positives.

5. Legen Sie Ihre Grenzen fest

Menschen haben oft das Gefühl, dass sie keine anderen Möglichkeiten haben, wenn sie mit jemanden zusammenarbeiten oder auch zusammenwohnen. Aber das ist so nicht wahr! Sie - und nur Sie - legen immer Ihre Grenzen selbst fest. Sie müssen das jedoch auch bewusst und proaktiv tun. Wenn Sie die Dinge auf natürliche Weise passieren lassen, werden Sie zwangsläufig in schwierige Situationen verwickelt werden. Wenn Sie aber bewusst Grenzen setzen und entscheiden, wann und wo Sie mit jemanden interagieren, können Sie auch einen Großteil des Geschehens kontrollieren.

6. Vergeben, aber vergessen Sie nicht

Emotional intelligente Menschen verzeihen schnell, aber das bedeutet nicht, dass sie auch alles vergessen. Vergebung ist das Loslassen des Geschehenen, damit Sie weitermachen können. Es bedeutet aber nicht, dass Sie jemanden automatisch die Möglichkeit zur Wiederholung geben. Merken Sie sich, was schief gegangen ist und welchen Menschen Sie zukünftig besser aus dem Weg gehen sollten.

7. Schlafen Sie ausreichend

Was viele Menschen nicht wissen ist, dass Schlaf die emotionale Intelligenz steigert. Schlaf hilft dabei, den Stress zu managen. Im Schlaf verarbeiten wir die Erinnerungen des Tages, speichern wichtige Sachen ab und verwerfen dabei nicht gar so Wichtiges. Wenn Sie nicht genügend Schlaf bekommen, geht das auf die Kosten Ihrer Selbstbeherrschung, Aufmerksamkeit und der Gedächtnisleistung.

8. Kaffeejunkies aufgepasst

Trinken von Koffein löst bei den meisten Menschen die Freisetzung von Adrenalin aus. Adrenalin ist die Quelle des menschlichen „Kampf oder Flucht“ -Modus, ein Überlebensmechanismus, der Sie zwingt, aufzustehen und zu laufen oder zu kämpfen, wenn Sie einer Bedrohung ausgesetzt sind. Das ist toll, wenn Sie beispielsweise von einem Tiger verfolgt werden, hilft Ihnen aber kaum weiter, wenn Sie auf dem Flur einen unangenehmen Kollegen begegnen. Achten Sie daher, dass Sie Kaffee nicht im Übermaß zu sich nehmen, vor allem, wenn Sie wissen, dass die Zusammenarbeit mit einem schwierigeren Kollegen ansteht.

Zum Schluss ein kurzes Gedankenexperiment

Manches Mal hilft es sich zu überlegen, warum bestimmte Menschen momentan eine solche Rolle in Ihrem Leben einnehmen. Das hilft, manch blinden Fleck in uns selbst sichtbar zu machen. Vielleicht gestehen Sie sich selbst etwas nicht zu, das Sie in dem anderen wiedererkennen. Oder Sie lehnen ein bestimmtes Verhalten an sich selbst ab und erkennen es in Ihrem Gegenüber. Denn wenn bestimmte Menschen extreme Gefühle in uns auslösen, gibt es fast immer etwas für uns selbst abzuholen, dabei zu lernen und zu wachsen.