Ingrid Gerstbach
Irgendwo zwischen dem, was wir sagen, und dem, was der andere versteht, geht erstaunlich viel verloren. Das Problem ist nicht, dass wir schlecht kommunizieren, sondern dass wir uns selbst oft weniger kennen, als wir denken.
Das hat mich nie losgelassen.
Ich bin Ingrid Gerstbach. Ich beschäftige mich seit 2010 mit der Frage, warum wir so oft aneinander vorbeileben und was sich verändert, wenn wir aufhören, andere durch unsere eigene Brille zu lesen. In Organisationen, in Teams, im Privaten. Die Dynamik ist überraschend ähnlich.
Was mich dabei immer wieder überrascht: Die meisten Missverständnisse entstehen nicht aus Böswilligkeit. Sie entstehen daraus, dass wir uns selbst nicht gut genug kennen, um zu merken, was wir auf andere projizieren. Wir reagieren auf etwas, das gar nicht da ist. Und die andere Person tut dasselbe.
Mein Mann sagt, ich analysiere in Restaurants die Gespräche der Nachbartische. Er hat recht. Ich höre nicht, was die Leute sagen. Ich höre, was sie meinen. Diese Lücke dazwischen hat mich nie losgelassen.
In Vorträgen, Workshops und Einzelformaten begleite ich Menschen dabei, sich selbst klarer zu sehen und andere mit etwas mehr Neugier, etwas weniger Urteil zu begegnen.
Ich habe zwölf Bücher geschrieben, bin dreifache LinkedIn Top Voice und schreibe unter anderem für Die Zeit und Business Insider. Aber was mich antreibt, ist keines davon: Es ist der Moment danach, wenn jemand sagt: Ich habe diese Person gerade zum ersten Mal wirklich verstanden.
Die meisten Menschen verstehen sich besser, als sie denken. Sie haben nur nie jemanden gehabt, der ihnen den Spiegel richtig hinhält.
