So sagen Sie nein ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen

Wir bekommen immer wieder Besuch aus dem Ausland, was meinen Mann und mich prinzipiell sehr freut. Letztens fragte uns eine Bekannte, die wir nicht besonders gut kennen, ob sie bei uns übernachten könnte. Nun haben wir bei uns Zuhause kein eigenes Gästezimmer und auch keine weitere Schlafmöglichkeit. Noch dazu kommt, dass wir diese Bekannte nicht sehr gut kennen und sie auch das Geld für ein Hotel hatte. Daher habe ich diese Bitte abschlagen. Im Vorfeld habe ich mir drei Gedanken dazu gemacht:

  1. Ich sage ja, damit ich mich nicht schlecht fühle. Und am Ende bereuen, weil ich mich habe breit schlagen lassen.

  2. Ich sage nein, begründe dies und fühle mich trotzdem schlecht, weil ich nein sage. Oder

  3. Ich sage einfach nein und fühle mich nicht schlecht.

Ich habe mich für die dritte Option entschieden.

Nein zu sagen und sich trotzdem nicht schlecht zu fühlen funktioniert eigentlich ganz einfach. Sie müssen dazu zunächst verstehen, was dieses Gefühl auslöst, wenn Sie eine Bitte oder Aufforderung von jemanden ablehnen.

Wenn der Grund zum eigentlichen Problem wird

Nein zu sagen fühlt sich schnell so an, als ob Sie eine Person und nicht deren Bitte ablehnen würden. Manches Mal fühlt sich ein Nein auch an, als würden Sie eine Person im Stich lassen, obwohl Sie eigentlich helfen könnten. Oder Sie haben Angst, dass wenn Sie eine Bitte abschlagen, derjenige Sie nicht mehr mag und Sie als undankbar oder arrogant wahrgenommen werden.
All das sind Gründe, warum Menschen normalerweise den Weg des geringsten Konflikts wählen und lieber ja als nein sagen.

Wenn dann doch jemand nein sagt, dann oft auf eine Art und Weise, die mehr einer Entschuldigung gleicht. mit sich bringt. Zum Beispiel "Ich würde dir ja wirklich gerne helfen, aber ich bin zurzeit so beschäftigt."

Das Problem bei diesem Ansatz ist, dass Sie so der anderen Person die Möglichkeit geben, dranzubleiben und nicht aufzugeben. Schließlich lehnen Sie ja die Bitte nicht gleich und absolut ab. "Gut, wenn es jetzt nicht geht, dann aber bestimmt nächste Woche, oder?" Wir glauben, dass es ein Gebot der Höflichkeit ist, das Nein zu begründen. Sehr oft bewirkt der Versuch, vielmehr das Gegenteil: Das Nein wird unverständlich.

 
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So sagen Sie effektiv nein:

1. Bieten Sie einen Alternativimpuls, der dem Bittsteller eine konkrete Perspektive aufzeigt.

Manchmal ist ein Nein verständlicher, wenn Sie eine Alternative anbieten. Vielleicht fällt Ihnen eine Lösung ein, die dem anderen hilft und bei denen Ihre Hilfe nicht notwendig ist. Statt verkrampft nein zu sagen oder mit einer schwachen Ausrede zu kommen, zeigen Sie mit einer Alternative, dass Sie wirklich helfen wollen, setzen aber trotzdem Grenzen.

2. Seien Sie direkt.

Reden Sie nicht um den heißen Brei herum und verstecken Sie sich nicht hinter einer lahmen Ausrede. Dadurch bieten Sie der anderen Person nur Schlupflöcher. Zögern Sie nicht und bleiben Sie standhaft. Wenn Sie es für sich brauchen, dann können Sie kurz erklären, warum Sie die Bitte ablehnen. Sie sind aber nicht verpflichtet, eine Erklärung zu liefern. Oft ist weniger mehr.

3. Stellen Sie Gegenfragen.

Gerade in Arbeitssituationen hilft es, wenn Sie Fragen zu der Bitte stellen. Ein Beispiel: Nehmen wir an Ihr Chef bittet Sie, weitere Aufgaben zu übernehmen - mehr als Sie bewältigen können. Sie könnten sagen: "Ich würde gerne auch noch X, Y und Z zu übernehmen. Aber ich würde drei statt zwei Wochen brauchen, um einen guten Job zu machen. Was ist Ihnen wichtig, wo soll ich die Priorität legen?"

4. Bleiben Sie höflich.

Sie könnten sagen: "Es tut mir leid, ich kann es jetzt wirklich nicht. Ich lasse dich aber wissen, wenn es sich doch irgendwie ausgehen sollte." So bleiben Sie höflich, aber ändern gleichzeitig die Dynamik. Sie übernehmen die Verantwortung und lassen trotzdem kein Schlupfloch offen. Oder Sie sagen "Ich fühle mich geschmeichelt, dass Sie mich um Hilfe gebeten haben, aber ich habe im Moment beim besten Willen nicht die Zeit, um wirklich qualitativ hochwertige Hilfe anzubieten."

5. Finden Sie den Grund hinter der Bitte heraus.

Viele Menschen und Unternehmen verwenden Manipulationstechniken, um ihre Wünsche durchzusetzen (wie Sie das erkennen können, habe ich in den letzten Blogbeiträgen hier und hier beschrieben).

Menschen haben manchmal Schwierigkeiten, Nein zu sagen, weil sie ihre Rolle in der Beziehung nicht richtig einordnen. Gute Beziehungen halten ein ehrliches Nein aus.

6. Stehen Sie zu sich und Ihrer Entscheidung.

Wenn jemand Ihr Nein nicht akzeptiert, zeigt das, dass die Person Sie entweder nicht respektiert oder kein echter Freund ist. Bleiben Sie bei Ihrem Nein und fühlen Sie sich nicht zu etwas gezwungen, nur weil diese Person lästig ist.

Setzen Sie Ihre Bedürfnisse an erste Stelle - nicht die Person, die Sie um etwas bittet. Wenn Sie den Bedürfnissen dieser Person Vorrang geben, wird Ihre Produktivität und Ihr Selbstbewusstsein darunter leiden. Wer nicht nein sagen kann, bietet sich weniger empathischen Kollegen als seelischen Mülleimer an. Und everybody’s darling wird schnell zum everbody’s Depp.