Warum Multitasking uns blöder macht als der Konsum von Marihuana

Forscher am Institut für Psychiatrie an der Universität London stellten in einer Studie mit 1.100 Mitarbeiter fest, dass Multitasking zu einer stärkeren Abnahme des IQ führte als der Konsum von Marihuana oder Schlafverlust.
In aller Ernsthaftigkeit ist die Versuchung zu Multitasken in der heutigen technischen Welt höher als je zuvor. Und das ist ein großes Problem. Denn wir konzentrieren uns nicht mehr, sondern machen zu viele Dinge gleichzeitig - und sind weniger effizient oder effektiv als wir uns erhoffen.

Zwar ahnen die meisten, dass sie nicht unbedingt multitaskingfähig sind, aber dennoch sitzen wir am Ende mit dem Notebook essend vor dem Fernseher, lesen E-Mails und chatten. Wir wissen, dass wir uns wirklich nur auf eine Aufgabe konzentrieren sollten - aber wir tun es einfach nicht. Warum ist es so schwer, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren?

Warum wir uns trotzdem immer wieder in Multitasking versuchen: Wir fühlen uns gut

Das behaupten zumindest die Forscher der Ohio State University. In ihrer Studie über Multitasking fanden sie heraus, dass uns ein Gefühl der Erfüllung ergreift, wenn wir während dem Lesen den Fernseher laufen haben oder mit unseren Freunden chatten, wenn wir kochen. Wenn wir all diese Dinge auf einmal erledigen, fühlen wir uns unglaublich effizient. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall. Die Probanden, die sich intensiv mit Multitasking-Aktivitäten beschäftigten, fühlten sich großartig, aber ihre Ergebnisse waren viel schlechter als jene, die keine Multitasking-Aktivitäten durchführten.

Ein anderes Problem ist, dass Multitasker von außen sehr effizient zu sein scheinen. Dieses Glaubensmuster führt dazu, dass wir ebenfalls multitasken wollen. Und so üben wir viel Druck auf uns aus, um immer mehr Aufgaben zu bewältigen. Wir fühlen uns einfach produktiver.

Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir Multitasking betreiben?

Das Interessante ist, dass unsere Gehirne überhaupt nicht multitaskingfähig sind. Wenn wir zu Mittag essen, öffnen wir unser Notebook, lesen Mails und telefonieren mit Kollegen. Dabei kann sich unser Gehirn gar nicht gleichzeitig auf all diese Aktivitäten konzentrieren. Vielmehr spaltet Multitasking das Gehirn. Alles, was Ihr Gehirn dann macht, ist, zwischen den einzelnen Aktivitäten hin und herzuspringen.
Forscher aus Stanford fanden weiters heraus, dass Menschen, die viel Multitasking betreiben, beim Filtern irrelevanter Informationen in der Tat viel schlechter abschneiden. Sie switchen auch deutlich schlechter zwischen den einzelnen Aufgaben um.

Musik während einer Aufgabe zu hören, gilt nicht als Multitasking

Falls Sie sich gefragt haben, ob Sie jetzt auch aufhören müssen, Musik zu hören, um produktiver zu sein, dürfen Sie durchatmen. Laut dem Stanford-Professor Nass ist das nicht der Fall, denn bei Musik ist es etwas Anderes. Es gibt einen besonderen Teil in unserem Gehirn für Musik.

6 Tipps, um weniger verstreut zu arbeiten

1. Gewohnheiten entwickeln

Um weniger zerstreut zu arbeiten, führen Sie Gewohnheiten ein. Beschränken Sie sich zum Beispiel darauf, nur ein Browser-Fenster geöffnet zu lassen, während Sie arbeiten. Dadurch müssen Sie sich auf eine Aufgabe konzentrieren und diese priorisieren.
 
2. Die abendliche Planungsroutine

Setzen Sie sich doch mal am Abend hin und schreiben Sie auf, welche Ziele Sie am kommenden Tag verfolgen und was Sie erledigen möchten. Aber belassen Sie es nicht bei einer einfachen To-Do-Liste. Anstatt nur Aufgaben aufzuschreiben, durchdenken Sie die einzelnen Punkte und erklären Sie sie jemanden (kann auch nur gedanklich sein). Wenn Sie jemanden haben, mit dem Sie Ihre Gedanken dazu besprechen können, macht es einerseits mehr Spaß und motiviert vor allem. Z.B. "Ich möchte die Agenda für das Meeting kommenden Mittwoch ausschicken. Dafür überlege ich mir einen roten Faden und wen ich aller einladen möchte..." und so weiter. Zwar ändert sich dadurch die To-Do-Liste nicht direkt, aber es fühlt sich an, als hätten Sie bereits die Hälfte der Arbeit in Ihrem Kopf erledigt. Dadurch können Sie auch die Dinge wesentlich besser einordnen und wissen, worauf Sie achten müssen.

3. Arbeitsplatz mindestens einmal täglich wechseln

Oft klappt es nicht, nach einer erledigten Arbeit kurz Pause zu machen und auszulüften. Was aber wirklich hilft, ist, sich körperlich von einem Ort zum anderen zu bewegen. Ich habe das Glück, dass ich bei jedem Workshop an einem neuen Ort bin und so mein Denken automatisch inspiriert wird. Oft gehe ich auch vom Büro aus in ein Kaffeehaus, um von dort weiterzuarbeiten oder nehme mir mein Notebook und arbeite von Zuhause aus. Das ist natürlich nicht für jeden möglich. Aber es gibt dennoch Möglichkeiten wie z.B. mit den Kollegen immer wieder mal den Platz zu tauschen.

4. Planen Sie Pausen ein

Oft planen wir unsere Zeit viel zu knapp, weil wir nicht bedenken, dass wir manches Mal einfach länger für gewisse Aufgaben brauchen. Nehmen Sie sich Zeit und planen Sie mit großzügigen Puffern und machen Sie lieber langsamer, als zu schnell. Achten Sie deshalb lieber auf eine saubere und strukturierte Arbeitsweise, dann passieren auch weniger Fehler.

5. Räumen Sie auf

Das gilt sowohl für Ihren Schreibtisch, als auch für Ihre digitale Welt. Sortieren Sie Ihre E-Mails, ordnen Sie Ihr Desktop und auch Ihren Schreibtisch. Dann geht die Arbeit auch leichter von der Hand.

6. Belohnen Sie sich
Haben Sie Ihre Aufgaben erfolgreich erledigt, ist es Zeit für eine Belohnung. Gratulieren Sie sich und gönnen Sie sich was Gutes.

 

Mir hilft es enorm zu wissen, dass ich einfach nicht multitaskingfähig bin bzw. dass es die wenigsten Personen wirklich sind. Ich merke, dass der Fokus auf eine Aufgabe bessere Ergebnisse liefert und sich positiv auf die Kommunikation auswirkt. Natürlich funktioniert das nur, wenn Sie mit anderen Gewohnheiten zusammenarbeiten, die Sie für einen erfolgreichen Tag vorbereiten. Unser Gehirn durchläuft im Laufe des Tages natürliche Zyklen mit Höhen und Tiefen. Wenn Sie einschlafen, treten Sie nach etwa 90 Minuten Nicht-REM-Schlaf in den REM-Zyklus ein. Wie sich herausstellt, durchlaufen unsere Gehirne und Körper während des Tages ähnliche Zyklen. So wechselt unser Herz zwischen Schlagen und Ausruhen, unsere Lungen atmen ein und aus und unser ganzer Körper pulsiert ab und zu. Um Ihre Leistung zu maximieren, ist es wichtig, dass Sie diese Höhen und Tiefen kennen, indem Sie versuchen, die fokussierte Zeit mit Entspannung abzuwechseln.