Über die Kunst, nein zu sagen

Nein. Niemals. Nicht im Leben. Nicht jetzt. Wenn das Nein nur immer so einfach über die Lippen ginge wie das Ja...  Manches Mal ist es geradezu unangenehm und schwierig, also sagen wir ja zu Dingen, zu denen wir in Wahrheit nein sagen wollen. Je empathischer Sie dann noch sind, desto schwieriger wird das Ganze auch noch.

Denn die Angst dominiert, dass wir durch das Wörtchen Nein womöglich die noch jungfräuliche Beziehung zu unserem Gegenüber verschlechtern. Dann doch lieber in den sauren Apfel beißen, als es sich womöglich mit dem Gesprächspartner zu verscherzen. Und so sagen viele von uns ja zu Dingen, die wir nicht einfach tun wollen. Weil wir nicht wissen, wie man nein sagt.

Nein sagen ist ein Balanceakt

Es soll Menschen geben, die an ihrem einzigen freien Tag in der Woche lieber die grantige Schwiegermutter besuchen anstatt ein einziges Mal nein zu sagen. Noch dazu versinken wir mit jedem Ja, das eigentlich ein Nein sein sollte, immer mehr im Sumpf der Harmonie. Wer nicht nein sagen kann, wird schnell zum seelischen Mülleimer von Freunden oder zum idealen Tauschpartner ungeliebter Schichten. Dabei ist die Sorge, verbrannte Erde beim Gesprächspartner zu hinterlassen, nur dann wirklich berechtigt, wenn wir statt ja nein sagen. Um das schlechte Gefühl in uns zu bekämpfen, verpacken wir das Nein in geradezu verkrampfte Begründungen.

Wir glauben, dass wir für ein Nein immer einen guten Grund brauchen. Auch das Gebot der Höflichkeit erfordert eine Erklärung. Dabei passiert in der Realität genau das Gegenteil: Aus dem Versuch heraus, ein Nein elegant zu verpacken, wird die Antwort unverständlich und wirkt befremdlich. Denn letztlich geht es in diesen Gesprächen weniger um das Nein, als vielmehr um die Begründung. Und je unnötiger letztere ist, umso schwieriger wird die Diskussion.

Der Dreisatz des Neinsagens

Natürlich ist ein simples und schroffes Nein nicht des Rätsels Lösung. Viele Situationen wollen tatsächlich begründet werden. Aber etliche nervige Diskussionen würden sich vermeiden lassen, wenn wir uns nicht in ungeschickten Argumentation verlaufen würden.

Im geschäftlichen Kontext hat die Bitte um Unterstützung oft mit der Arbeitsbelastung, Qualität oder Priorität zu tun - Gründe, die für einen Fragesteller schwer zu fordern sind.

In den meisten Fällen ist ein Nein besser verpackt, wenn Sie die umständliche Begründung weglassen. Vor allem, wenn diese Begründung dann noch künstlich wirkt. Bieten Sie lieber einen Alternativimpuls an, mit dem Sie Anerkennung und Respekt zeigen.

1. Leiten Sie das Nein mit einer freundlichen Bemerkung zur Sache ein. Sagen Sie zum Beispiel „Ich verstehe, dass Sie wirklich viel zu tun haben. Sie haben ja auch eine verantwortungsvolle Aufgabe.“

2. Dann formulieren Sie den Hauptsatz und achten darauf, möglichst das Wort Nein zu verwenden, indem Sie zum Beispiel sagen „Ich bin nur selber gerade so sehr in ein Projekt involviert, dass meine Kapazitäten vollkommen ausgeschöpft sind.“

3. Bieten Sie einen Alternativimpuls an, der Ihrem Gegenüber eine weitere Perspektive eröffnet: „Vielleicht kann Ihnen aber mein Kollege weiterhelfen, der Experte in diesem Gebiet ist.“

Wie Sie Nein zum Chef sagen können

Wenn die Anfrage von Ihrem direkten Vorgesetzten kommt, kann es sehr schwierig sein, nein zu sagen. Aber Sie könnten zum Beispiel sagen: „Ich schätze es sehr, dass Sie mich fragen, aber angesichts meiner aktuellen Arbeitsbelastung würde die Qualität meines Produktes leiden, wenn ich diese Aufgabe auch noch übernehmen würde.“

Eine andere Möglichkeit, den Wunsch Ihres Vorgesetzten zu verweigern, ist, jetzt nein zu sagen und einen anderen Zeitraum vorzuschlagen. Zum Beispiel „Ich habe wirklich keine Zeit in diesem Monat, aber die Dinge ändern sich wieder im März und ich würde mich sehr freuen Ihnen zu helfen, wenn Sie dann noch Hilfe brauchen.“

Es ist eine bekannte Tatsache, dass Sie nicht produktiv sein können, wenn Sie zu vielen Verpflichtungen nachkommen. Sie sind dann einfach nicht in der Lage, etwas zufriedenstellend zu erledigen oder zumindest pünktlich abzuliefern. Damit ist niemanden geholfen. Aber manches Mal wollen wir einfach nicht helfen, weil uns selber die Zeit fehlt oder wir einfach andere Dinge zu tun haben. Dann ist das Nein für unser Gegenüber einfacher zu verdauen, wenn es nicht begründet wird.

Egal, warum Sie nein sagen wollen: Dinge konstruktiv abzulehnen ist eine Fähigkeit, die gelernt werden kann - und die Sie in den Augen anderer wachsen lässt.