Was sind Sie sich eigentlich wert?

Unser Selbstwertgefühl bestimmt, wie wir uns selbst und unsere Mitmenschen wahrnehmen. Dazu habe ich ein interessantes Interview mit der Psychologin Stefanie Stahl gelesen. Sie sagt, dass die Wahrnehmung die Grundlage für unser Fühlen, Handeln und Denken ist. So würden sich Menschen, die ein geringes Selbstwertgefühl besitzen, eher als Opfer sehen und nur ein geringes Maß an Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben. Um ja keine Fehler zu machen, agieren sie häufig unter ihren Möglichkeiten.
Menschen, die ein stabiles Selbstwertgefühl haben, sehen sich eher auf Augenhöhe mit anderen und fühlen sich nicht so schnell gekränkt bzw. bedroht. Ein selbstbewusster Mensch nimmt Chancen wahr, stellt sich neuen Herausforderungen, bekommt schwierige Situationen schneller in Griff und übernimmt die Verantwortung, wenn mal etwas schief geht.

Das Selbstwertgefühl ist bis auf wenige Ausnahmen Ursache für psychische Probleme und Erkrankungen. Der Grund ist, dass selbstunsichere Menschen ihre Realität schnell verzerren: Je unsicherer sie sind, desto eher legen sie den Fokus auf die eigenen Schwächen und übersehen dabei die vorhandenen Stärken. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Menschen mit niedrigen Selbstwertgefühlen Strategien wählen, um ihre Gefühl zu kompensieren. Und das führt in vielen Fällen zu dem Gefühl, mehr Macht, Geld und Status haben zu müssen. Narzissten beispielsweise haben meistens ein sehr labiles Selbstwertgefühl. Sie versuchen mittels Größenfantasien und Perfektionsstreben dieses Gefühl aus ihrem Bewusstsein zu verdrängen. Um sich sicher zu fühlen, müssen sich ständig selbst beweisen, dass sie anderen überlegen sind.

Der Grund, warum so viele Menschen ihr Potenzial nicht voll ausschöpfen, ist also selten ein Mangel an Intelligenz, Möglichkeiten oder Ressourcen. Es sind auch nicht die anderen, die unser Selbstwertgefühl mindern, sondern es ist die eigene, innere Stimme. Wenn wir selbstbewusster werden wollen, müssen wir lernen, den inneren Kritiker in uns zu unserem Freund zu machen. Hier sind fünf Möglichkeiten, wie das gelingen kann:

1. Handeln Sie als ob

Der schnellste Weg, um Selbstwert aufzubauen, besteht darin, sich so zu verhalten, wie Sie sein möchten. Das bedarf einiges an Mut, denn dazu müssen Sie zunächst Ihre Komfortzone verlassen.

Trauen Sie sich trotz Ihrer Angst vor Versagen und Fehlern Risiken einzugehen und Maßnahmen zu ergreifen. Wenn alles klappt, wissen Sie, dass Sie mehr können, als Sie denken. Wenn es nicht klappt, wissen Sie, dass Sie mit Rückschlägen besser umgehen können, als Sie denken. So oder so wird es Ihnen besser gehen.

2. Lernen Sie Komplimente anzunehmen

Einer der schwierigsten Aspekte, das Selbstwertgefühl zu steigern, besteht darin, dass wir, wenn wir uns schlecht fühlen, tendenziell skeptischer gegenüber Komplimenten sind - auch wenn wir diese genau dann eigentlich am dringendsten brauchen.

Setzen Sie sich zum Ziel, jedes Kompliment anzunehmen, auch wenn Sie sich unwohl damit fühlen. Um dem Reflex zu widerstehen und Komplimente sofort abzuschmettern, überlegen Sie sich im Vorfeld Strategien, mit denen Sie darauf reagieren können. Mit der Zeit wird der Drang, Komplimente abzulehnen, abnehmen. Und das stärkt wiederum Ihr Selbstwertgefühl.

3. Verwenden Sie positive Affirmationen - aber die richtigen

Positive Bestätigungen wie „Ich bin supererfolgreich" sind zwar äußerst beliebt, haben jedoch einen großen Haken: Viele Menschen fühlen sich dank solche Aussagen schlechter. Warum? Wenn unser Selbstwertgefühl bereits niedrig ist, widersprechen solche Sätze einfach unseren bestehenden Überzeugungen. Ironischerweise zeigen positive Bestätigungen vor allem bei Personen die größten Auswirkungen, die bereits ein hohes Selbstwertgefühl haben.

Formulieren Sie die Aussage so um, dass Sie glaubhaft für Sie selbst sind. Statt zu sagen “Ich bin immer erfolgreich.” versuchen Sie es zum Beispiel mal mit der Aussage "Ich mache solange weiter, bis ich einen Erfolg für mich erziele.".

4. Entdecken Sie Ihre persönlichen Stärken und entwickeln Sie diese

Ihr Selbstwertgefühl wird aufgebaut, indem Sie in den Bereichen, die für Sie wichtig sind, Ihre Fähigkeiten und Leistungen ausbauen. Wenn Sie beispielsweise stolz darauf sind, ein guter Sprecher zu sein, dann suchen Sie viele Gelegenheiten, um Ihre Inhalte zu präsentieren. Wenn Sie gerne zeichnen, dann visualisieren Sie für alle Anwesenden in den Meetings die Inhalte.

Identifizieren Sie Ihre Kernkompetenzen und nutzen Sie verschiedene Möglichkeiten, diese auszubauen.

5. Beseitigen Sie Selbstkritik und lernen Sie Mitgefühl für sich selbst zu empfinden

Wenn unser Selbstwertgefühl gering ist, sind wir meistens noch viel selbstkritischer. Und das ist enorm kontraproduktiv. Um das Selbstwertgefühl zu steigern, müssen wir den inneren Kritiker in uns (der fast immer völlig fehl am Platz ist) stoppen.

Wann immer Sie beginnen, selbstkritisch mit sich zu reden, hören Sie sofort auf. Überlegen Sie stattdessen, was Sie einem Freund (oder sogar einen Fremden) sagen würden, wenn er oder sie an Ihrer Stelle wäre. Wir neigen dazu, zu allen anderen freundlicher und barmherziger zu sein als zu uns selbst.

Alles in allem

Wir sind alle nur Menschen, die durch die Erfahrungen, die wir machen, lernen und wachsen. Die Reflexion der eigenen Verhaltensmuster ist bereits die halbe Miete, um langfristig erfolgreich und glücklich zu sein. Werden Sie sich Ihrer Gedanken und Verhaltensweisen bewusst und verändern Sie diese, so dass Sie sich wohl fühlen. Verlassen Sie sich nicht auf die Bestätigung von außen, sondern übernehmen Sie die Verantwortung für sich selbst und Ihr Handeln. Das erfordert zwar Mut, aber Sie werden dafür reich belohnt werden.

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