Hören Sie dem zu, der am wenigsten sagt

In meinem Beratungsalltag habe ich viel mit Unternehmen zu tun, die tolle Technologien und großartige Innovationen entwickeln. Die beste Idee bringt nur leider nichts, wenn der Kunde vergessen und unhinterfragte Annahmen getroffen werden. Klammern Sie den Kunden aus der Gleichung aus, stellen Sie sich letztlich selbst ein Bein. Welchem Kunden sollten Sie Ihre wertvolle Zeit und Aufmerksamkeit widmen, be- und hinterfragen und genau zuhören?

Unsere Gesellschaft versucht krampfhaft zu definieren, was normal ist - vielleicht, weil es uns schwer fällt zu akzeptieren, dass wir alle einzigartig sind. Und so beginnen Unternehmen damit Menschen zu befragen, die laut und eher extrovertiert sind. Viele gestalten sogar ihre Produkte und Services rund um ein extrovertiertes Ideal herum. Dabei sollten Menschen niemals auf ein einziges Etikett wie introvertiert oder extrovertiert beschränkt sein, das wiederum mit Beschreibungen und Annahmen versehen ist. In verschiedenen Situationen verhalten wir uns anders. Auch wenn wir in eine Richtung tendieren, sind wir immer eine Mischung aus beidem.

Gerade introvertiertere Personen haben mindestens genauso viel zu erzählen wie Personen, die zur Extraversion neigen. Denn ihr Schweigen ist mehr als die Abwesenheit von Lärm - es ermöglicht erst die Anwesenheit von allem anderen. Und das ist eine unglaublich wichtige Quelle für Unternehmen, die erfolgreich sein wollen.

Introvertiertere Personen hören sehr genau zu und Zuhören ist wiederum der wichtigste Teil einer Konversation. Wenn Sie aufhören selbst zu sprechen, fangen Sie an, die Welt um Sie herum aufmerksamer zu beobachten.  

Wenn Sie introvertierte Menschen befragen wollen, dann beachten Sie im Vorfeld ein paar Dinge:

  • Keine Unterbrechungen bei Befragungen: Machen Sie Platz für alle Gedanken und Meinungen. Wenn Sie mehrere Menschen gleichzeitig befragen, achten Sie darauf, dass einer nach dem anderen spricht. So passiert es weniger schnell, dass lautere Personen das Gespräch übernehmen. Unterbrechen Sie auch selbst nicht die Gedanken und fallen Sie nicht ins Wort oder beenden Sie den Satz für Ihr Gegenüber. Das ist nicht nur unhöflich, sondern unterbricht den Gedankengang des anderen.

  • Geben Sie bereits im Vorfeld Zeit zur Vorbereitung: Introvertiertere Menschen mögen es, sich Zeit zu nehmen, Informationen zu überprüfen und in Ruhe nachzudenken, bevor sie ihre Perspektive mit jemanden teilen. Je ruhiger eine Person ist, desto dankbarer ist sie für die Vorbereitungszeit.

  • Nutzen Sie physischen Raum: Einige Aktivitäten erfordern die Zusammenarbeit innerhalb großer Teams, andere fördern kleine soziale Interaktionen. Viele brauchen eine gewisse Privatsphäre, um sich über bestimmte Sachverhalte in Ruhe zu unterhalten. Sorgen Sie für die passende Umgebung für Ihr Gespräch.

  • Vermeiden Sie ein Entweder-oder-Denken: Menschen in entweder introvertiert oder extrovertiert einzuteilen, hilft niemanden. Die Wahl einer Seite ist nie eine gute Idee, denn so begrenzen wir die Möglichkeiten und Fähigkeiten von Menschen. Laden Sie lieber das Unerwartete ein. Schaffen Sie eine Kultur der Zugehörigkeit, in der sich jeder willkommen fühlt, ohne die Erwartungen anderer erfüllen zu müssen.

Wie wichtig die Beobachtung für den Erfolg Ihres Unternehmens ist, bespreche ich in verschiedenen Artikeln und in meinem neuen Buch. Wenn Sie Ihre Kunden oder Mitarbeiter wirklich verstehen wollen, achten Sie bewusst auf die ruhigeren Menschen in Ihrer Umgebung. Vergessen Sie dabei aber nicht, dass nicht jede Stille dasselbe bedeuten. Das Verständnis der menschlichen Nuancen hilft Ihnen, Verhalten besser zu verstehen.

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