Du sitzt in einem Strategie-Workshop. Eine Teilnehmerin wirft eine Idee in den Raum: „Lass uns das Produkt kostenlos anbieten, um Marktanteile zu gewinnen.“ Noch bevor du etwas sagst, passiert etwas in deinem Kopf: „Das wird niemals funktionieren.“ Dein Körper strafft sich, deine Mimik verändert sich und schon hat der Gedanke nicht nur dich, sondern die ganze Diskussion in eine Richtung gedrückt.
Das ist kognitive Fusion: Du bist so sehr mit einem Gedanken verschmolzen, dass du ihn für eine Tatsache hältst und danach handelst.
Heute zeige ich dir: Warum unser Gehirn das ständig macht. Wie kognitive De-Fusion dir helfen kann, klarer zu denken. Und wie du diese Technik sofort in Meetings, Workshops und Entscheidungen einsetzen kannst.
In der Psychologie – genauer gesagt in der Akzeptanz- und Commitment-Therapie – heißt dieser Vorgang „Fusion“. Dein Gehirn liebt Muster und Abkürzungen. Es will schnell entscheiden: Ist etwas gut oder schlecht? Richtig oder falsch?
Das war überlebenswichtig, als wir vor 50.000 Jahren im Busch standen und entscheiden mussten, ob das Rascheln im Gebüsch ein Raubtier ist. Das Problem: Heute wenden wir diesen Überlebensmodus auf Situationen an, in denen er uns blockiert. Wir glauben: „Wenn ich diesen Gedanken habe, dann muss er wahr sein.“ Aber Gedanken sind keine Fakten. Sie sind nur mentale Ereignisse.
Die Sprache, in der du einen Gedanken formulierst, entscheidet tatsächlich darüber, wie sehr du an ihm hängst. Wenn du sagst: „Ich bin ein schlechter Moderator“ machst du den Gedanken zu einem Teil deiner Identität. Wenn du sagst: „Ich habe den Gedanken, dass ich ein schlechter Moderator bin“ dann schaffst du sofort Distanz. Diese kleine sprachliche Änderung reduziert nachweislich Stress und Grübeln.
In Teams führt kognitive Fusion zu drei typischen Problemen:
Neue Ideen werden vorschnell verworfen.
Gruppen folgen dem ersten lauten Gedanken.
Kritisches Denken wird mit Besserwisserei verwechselt.
Gerade in Innovationsprozessen wie Design Thinking kann das tödlich für gute Lösungen sein. Denn wenn wir Gedanken für Fakten halten, sind wir blind für Alternativen.
So kommst du raus:
Schritt 1: Benenne den Gedanken. Sage innerlich: „Ich habe den Gedanken, dass …“ statt ihn als Wahrheit zu formulieren.
Schritt 2: Visualisiere den Gedanken. Schreib ihn auf einen Zettel und leg ihn dann vor dich hin. Damit ist der Gedanke ab jetzt ein Objekt, und nicht mehr du.
Schritt 3: Handle trotz Gedanken: Frage dich: „Was würde ich tun, wenn ich diesem Gedanken nicht glauben würde?“ und dann probier es aus.
Schritt 4: Reflektiere. Vergleiche: Was ist tatsächlich passiert versus was hat der Gedanke vorhergesagt?
In einem Workshop mit einem Innovationsteam habe ich genau diese Methode eingesetzt. Ihr Muster sah so aus: Jede neue Idee wurde sofort mit „Das geht nicht“ abgetan. Wir haben eine neue Regel eingeführt: Bevor jemand diese Worte sagen durfte, musste er den Satz formulieren als: „Ich habe den Gedanken, dass das nicht geht. Und mein Grund ist …“
Das hat zwei Effekte gehabt: Erstens wurden die Einwände präziser und dadurch auch konstruktiver. Zweitens hat das Team gelernt, dass Gedanken Vorschläge sind, keine Befehle, die unbedingt und widerstandslos ausgeführt werden müssen. Innerhalb einer Woche war die Gesprächskultur völlig anders.
Du kannst das auch selbst testen, gleich beim nächsten Meeting oder Workshop. Und wenn du merkst, dass dein Team immer wieder in den gleichen Gedankenschleifen landet, lohnt es sich, das strukturiert anzugehen.
Kognitive Defusion bedeutet nicht, Gedanken loszuwerden. Es bedeutet, ihnen nicht blind zu folgen.
Und wenn du willst, dass dein Team klarer denkt, kreativer arbeitet und sich nicht von spontanen Gedanken ausbremsen lässt, dann melde dich bei uns. Wir bauen genau solche psychologischen Werkzeuge direkt in Workshops und Coachings ein.

