Ingrid Gerstbach

 
 
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Wenn Menschen zu mir kommen, sagen sie oft denselben Satz: Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll. Das finde ich ehrlich. Und einen guten Anfang.

Ich bin Ingrid Gerstbach, Wirtschaftspsychologin, Unternehmensberaterin, Autorin von zwölf Büchern und, nach einer Zuschreibung, mit der ich gut leben kann, die deutschsprachige Design-Thinking- und Empathie-Expertin. Aber Etiketten sagen wenig darüber, wofür ich tatsächlich stehe.

Seit über zwanzig Jahren beschäftigt mich eine einzige Frage: Wie denken Menschen, wenn die Verhältnisse unübersichtlich werden? Wie treffen sie Entscheidungen, wenn die Datenlage dünn ist? Wie arbeiten sie im Team, wenn alle unter Druck stehen? Und wie verlieren sie sich dabei nicht selbst?

Meine beiden großen Werkzeuge sind Design Thinking und die Psychologie der Denkfallen. Design Thinking ist die Kunst, voranzugehen, wenn man das Problem noch gar nicht richtig versteht: Eine Praxis der Ungewissheit, bevor das Wort Mode wurde. Die Arbeit zu Denkfallen zeigt die andere Seite: wo uns der eigene Kopf ausgerechnet dann in die Quere kommt, wenn wir ihn am klarsten bräuchten. Zusammen ergibt das, was ich bewegliches Denken nenne: Die Fähigkeit, unter Druck trotzdem klug zu bleiben.

Dass mich dieses Thema persönlich so beschäftigt, hat auch einen biografischen Grund. Ich lebe mit einer chronischen Autoimmunerkrankung. Sie hat mir eine Erfahrung aufgezwungen, die in keinem Seminar vorkommt: dass man mit echter Unsicherheit nicht fertigwird, indem man sie wegplant, sondern indem man lernt, handlungsfähig zu bleiben, wenn die Grundlage wackelt. Ich weiß, wie sich Angst anfühlt, wenn nicht einmal der eigene Körper verlässlich ist. Und ich weiß inzwischen recht genau, was dabei hilft und was nicht. Diese Erfahrung ist nicht mein Beruf. Aber sie ist der Grund, warum ich meinen Beruf so ausübe, wie ich es tue.

Daraus ist eine Haltung entstanden, die meine Arbeit trägt: Ich glaube nicht an Kontrolle als Antwort auf Unsicherheit. Ich glaube an bewegliches Denken, an bessere Fragen, an die Fähigkeit, auch in Bewegung klar zu sehen. Das ist, was ich in Workshops vermittle, in Vorträgen erzähle, in Büchern ausbreite und worüber ich seit über zehn Jahren jeden Montag im Montags-Impuls schreibe, den inzwischen mehr als 32.000 Menschen lesen.

Was mich privat ausmacht, ist vermutlich nichts Besonderes, aber es gehört dazu: Ich lebe in einem wunderschönen Haus am Rand von Wien, mit meinem Mann, der genauso gerne denkt wie ich – was manchmal ein Glück ist und manchmal ein Witz. Ich mag lange Spaziergänge, gute Gespräche und diese besonderen Momente zwischen zwei Aufgaben, in denen man kurz prüft, ob das, was man gerade tut, noch stimmt.

Wenn Sie mehr von meiner Arbeit sehen wollen, gibt es drei gute Eingänge: den Montags-Impuls jede Woche ins Postfach, eines meiner Bücher, oder ein Gespräch, wenn Sie gerade vor einer Entscheidung stehen. Alle drei beginnen an derselben Stelle, nämlich bei der Frage, wie man klar denken kann, wenn vieles gleichzeitig in Bewegung ist.