DT211: Nikola Tesla: Der verrückte Visionär

Was Tesla wohl zu dem Auto sagen würde, das seinen Namen trägt und das wie kein anderes sonst polarisiert? Vermutlich hätte es ihm gefallen, denn schon zu seinen Lebzeiten war Tesla bekannt für außergewöhnliche Ideen. Er gilt als einer der wichtigsten Erfinder, dessen Einfluss bis in die heutige Zeit reicht. Dabei hatte er es schon zu Lebzeiten alles andere als leicht.

Tesla wurde in einer Sommernacht während eines Gewitters im Jahr 1856 in Serbien geboren. Angeblich sagte seine Hebamme: „Er wird ein Kind des Sturms sein“. Dem widersprach seine Mutter: „Nein, er wird das Licht.“

Als Schüler konnte Tesla mathematische Rechnungen lösen, sodass die Lehrer im Betrug vorwarfen. Als Teenager erkrankte er schwer und erholte sich, als sein Vater seine Forderung, dass Nikola Priester werden sollte, aufgab und zustimmte, dass er stattdessen eine Ingenieurschule besuchen konnte.

1875 erhält er mit 19 Jahren ein Stipendium an der Technischen Hochschule in Graz. Obwohl er ein hervorragender Schüler und Student war, hat er nie einen Abschluss gemacht und zunächst eine Anstellung in einer Telefongesellschaft gefunden.

Tesla war eine bemerkenswerte Person. Das zeigte sich schon früh, als er mit 17 begann sich mit Erfindungen zu beschäftigen: Er sagte, er habe ein fotografisches Gedächtnis, das ihm half, ganze Bücher auswendig zu lernen und acht Sprachen zu sprechen. Er behauptete auch, dass viele seiner besten Ideen als detaillierte Bilder sah, bevor er mit dem Bau von Prototypen begann. Daher fertigte er für viele seiner Geräte zunächst keine Zeichnungen und Pläne an.

Der Durchbruch

Genau diese Fähigkeiten zeigten sich bei seinem ersten erfinderischen Durchbruch: Die meisten Erfindungen mit elektrischem Strom nutzten zur damaligen Zeit Gleichstrom. Der Wechselstrom war zwar schon erfunden, aber die meisten hielten in für nutzlos und sogar gefährlich, darauf kommen wir später noch zurück.

Im Jahr 1882 hat er einen "Geistesblitz" bei einem Spaziergang und findet die Lösung für sein Problem, wie ein funktionierender Wechselstromrotor funktionieren kann. In weitere Folge entwickelte er Motoren, Dynamos und Transformatoren, wie in einem Rausch.

Aus seiner Biografie:

„Es war ein geistiger Zustand von Glück, so vollständig, wie ich es nie zuvor im Leben gekannt habe."

"Die Ideen kamen in einem ununterbrochenen Strom, und die einzige Schwierigkeit, die ich hatte, war die, sie festzuhalten.“

Die Kontrahänten: Tesla und Edison

Seine Erfindungen haben sich schnell bis nach Amerika durchgesprochen, wo auch Edison auf ihn aufmerksam wurde. Er arbeitete schließlich für die Continental Edison Company (Frankreich), wo er sich auf elektrische Beleuchtung und Motoren konzentrierte. Als Edison Tesla persönlich treffen wollte, emigrierte Tesla 1884 in die USA. Später behauptete er, ihm wurden 50.000 US-Dollar angeboten, wenn er eine Reihe von technischen Problemen lösen könnte, mit denen Edisons Unternehmen konfrontiert waren. Nachdem Tesla diese Aufgabe bewerkstelligt hatte, wurde das Angebot als Scherz abgetan. Tesla verließ das Unternehmen nach nur sechs Monaten.

Erste eigene Firmen

Tesla gründete dann mit zwei weiteren Personen die Tesla Electric Light and Manufacturing. Er meldete eine Reihe von elektrischen Patenten an, die er an das Unternehmen übertrug. Als sich seine Partner entschlossen, sich auf die Stromversorgung zu fokussieren, nahmen sie das geistige Eigentum des Unternehmens mit und gründeten eine andere Firma. Tesla arbeitete dann angeblich für zwei Dollar pro Tag im Straßenbau.

Im Jahr 1887 traf Tesla zwei Investoren, die sich bereit erklärten, die Gründung der Tesla Electric Company zu unterstützen. Er richtete in Manhattan ein Labor ein, wo er den Wechselstrominduktionsmotor entwickelte, der eine Reihe technischer Probleme löste, die andere Konstruktionen beeinträchtigten. Als Tesla sein Gerät bei einer Veranstaltung vorführte, traf die Westinghouse Company Vorkehrungen zur Lizenzierung der Technologie, indem sie eine Vorabzahlung und Lizenzgebühren für jede erzeugte Leistung bereitstellte.

Stromkrieg

In den späten 1880er Jahren tobt der "Stromkrieg": Thomas Edison förderte den Gleichstrom und behauptete, er sei sicherer als Wechselstrom. George Westinghouse unterstützte andererseits den Wechselstrom, da er über weite Entfernungen Energie übertragen konnte.

Westinghouse bat Tesla, ihm seine Patente zu verkaufen. Tesla war damit einverstanden - und verzichtete dadurch auf ein großes Vermögen.

Während einer Weltausstellung 1893 in Chicago half Tesla Westinghouse bei der Stromversorgung. Tesla ließ die gesamte Stadt Chicago leuchten und begeisterte das Publikum mit einer Vielzahl von Wundern, einschließlich eines elektrischen Lichts, das keine Kabel benötigte. Später half Tesla auch Westinghouse, einen Auftrag zur Stromerzeugung an den Niagarafällen zu gewinnen. Gemeinsam bauten sie auch das erste große Kraftwerk der Welt.

Einsamkeit und High Society

Tesla war bei Frauen beliebt, obwohl er nie heiratete, und behauptete, dass sein Zölibat eine wichtige Rolle in seiner Kreativität spielte. Vielleicht fürchtete er sich wegen seiner beinahe tödlichen Krankheit als Teenager vor Keimen und praktizierte sehr strenge Hygiene, wahrscheinlich ein Hindernis für die Entwicklung zwischenmenschlicher Beziehungen. Er zeigte auch ungewöhnliche Phobien, wie eine Abneigung gegen Perlen, die dafür führte, dass er mit keiner Frau sprach, die Perlen trug.

Tesla war der Ansicht, dass seine größten Ideen in Einsamkeit zu ihm kamen. Trotzdem lebte er nicht zurückgezogen, sondern war oft Gast auf Dinnerpartys.

Shows im Zuge des Stromkriegs: Während Edison Hunde und Katzen in öffentlichen Vorführungen mit Wechselstrom tötete, um deren Gefahr aufzuzeigen, trat Tesla selbst eher als Magier auf. Er lies einen Feuerball an seiner Hand und über seine Kleidung und sein Haar tanzen. Er lies mit sprühenden Funken große Vorführungsräume in gleißendes Licht hüllen (Korona-Entladungen). In vielen Kino und Fernsehserien wurde auch eines seiner bekanntesten Experimente aufgegriffen: Drahtlose Energieübertragung. In seiner Werkstatt hat er Drähte gespannt, die ein Magnetfeld aufgebaut haben. So konnte er mit einer leuchtenden Glühbirne in der Hand durch sein Labor spazieren.

Hindernissse

Tesla hatte es in seinem Leben mit vielen Hindernissen zu tun: 1895 wurde sein Labor, in dem auch all seine Unterlagen und Prototypen gelagert waren, in Manhattan durch ein Feuer zerstört.

Tesla baute später ein Labor in Colorado Springs auf, um seine Ideen zu testen. Dort brachte er es einmal zu einen regionalen Stromausfall.

Er entdeckte auch Signale, von denen er behauptete, dass sie von einer außerirdischen Quelle stammten.

Im Jahr 1901 überredete Tesla J.P. Morgan in den Bau eines Turms auf Long Island zu investieren (Wardenclyffe Tower), von dem er glaubte, dass er seinen Plan zur Elektrifizierung der Welt bestätigen würde. Teslas Traum wurde jedoch nicht verwirklicht, und Morgan zog bald die Finanzierung zurück.

Im Jahr 1909 erhielt Marconi den Nobelpreis für die Entwicklung des Radios. 1915 verklagte Tesla Marconi erfolglos und machte eine Patentverletzung geltend. Im selben Jahr wurde gemunkelt, dass Edison und Tesla den Nobelpreis teilen würden, aber das geschah nicht. Unbewiesene Spekulationen deuteten darauf hin, dass ihre gegenseitige Feindseligkeit die Ursache war. Tesla erhielt jedoch im Laufe seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen, darunter ironischerweise auch das Edison-Medal des American Institute of Electrical Engineers.

Mark Twain besuchte sein Labor und förderte einige seiner Erfindungen. Tesla genoss den Ruf als großer Ingenieur, Erfinder, Philosoph, Dichter und Kenner. Zu seinem 75. Geburtstag erhielt er ein Glückwunschschreiben von Einstein und war auf dem Titelblatt des Time Magazine zu sehen.

Der verrückte Wissenschaftler

In der populären Vorstellung spielte Tesla die Rolle eines verrückten Wissenschaftlers. Er behauptete, er habe einen Motor entwickelt, der mit kosmischen Strahlen lief; dass er an einer neuen nichteinsteinischen Physik arbeitete, die eine neue Energieform liefern würde; dass er eine neue Technik zum Fotografieren von Gedanken entdeckt hatte; und dass er einen neuen Strahl entwickelt hatte, der abwechselnd den Todesstrahl und den Friedensstrahl bezeichnete, mit einem weitaus größeren militärischen Potenzial als die Munition von Nobel.

Sein Geld war längst ausgegeben und Tesla verbrachte seine letzten Jahre damit, von Ort zu Ort zu ziehen und unbezahlte Rechnungen zu hinterlassen. Schließlich ließ er sich in einem New Yorker Hotel nieder, wo seine Miete von Westinghouse bezahlt wurde. Er lebte immer alleine und besuchte den Park, wo er regelmäßig gesehen wurde, wie er die Tauben fütterte. Er behauptete, eine besondere Beziehung zu Tauben zu haben. Am Morgen des 7. Januar 1943 wurde er im Alter von 86 Jahren von einem Dienstmädchen tot in seinem Zimmer gefunden.

Heute ist der Name Tesla noch sehr verbreitet. Der Flughafen in Belgrad trägt seinen Namen, ebenso wie das bekannteste Elektroauto der Welt. Auch die Magnetfeldstärke von MRI-Scannern wird in Teslas gemessen.

Was wir Design Thinker von Tesla lernen können

  • Es gibt einfach einzelne Genies, die nicht wirklich Team-kompatibel sind, die es aber für disruptive Innovationen als Vorreiter braucht

  • Ein wirtschaftliches Gespür ist unabdingbar für Erfolg

  • Visualisierungen helfen dabei funktionsfähige Prototypen zu erstellen, auch wenn im Falle von Tesla diese Visualisierungen anfangs nur in seinem Gehirn stattgefunden haben.

Weiterführende Links

DT207: Thomas Akva Edison: Der Zauberer von Menlo Park

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