Wie Sie wirklich innovative Lösungen entwickeln

Langjährige Erfahrung kann dazu beitragen, dass die Menschen auf intuitivem Niveau Probleme lösen. Wenn Sie seit 20 Jahren in ein- und demselben Bereich arbeiten, wissen Sie mit großer Wahrscheinlichkeit, welche Lösungen funktionieren werden und welche wenig Überlebenschancen haben.

Dieses Wissen kann den Problemlösungsprozess drastisch beschleunigen. Denn Sie werden sicherlich auf diese Weise weniger Zeit damit verlieren, uneffiziente und unproduktive Lösungen zu verfolgen. Allerdings macht genau ebendieses Know-how blind für Anderes, Neues. Denn unser Erfahrungswissen führt oft dazu, dass wir potenziell interessante Lösungen viel zu früh verwerfen und Ideen zu früh im Keim ersticken. Als sogenannte Experten in einem Gebiet fühlen uns schneller entmutigt, die wichtigen vermeintlich dummen Fragen zu stellen, die letztlich zu wirklich innovativen Lösungen führen.

Mit meinem Unternehmen unterstütze ich andere Unternehmen, deren Probleme mit Design Thinking zu lösen. Ein ganz wichtiger Baustein dabei ist das multidisziplinäre Team. Zwar ist in den meisten Fällen mindestens ein Experte (je nach Fachgebiet) mit an Bord. Dieser sorgt dafür, dass wichtiges Spezialwissen bedacht und von Anfang an miteingewoben werden kann. Allerdings achten wir bei der Zusammensetzung des Teams immer ganz bewusst darauf, dass möglichst viel unterschiedliche Bereiche aufeinandertreffen, um aus einem möglichst breiten Erfahrungsschatz schöpfen zu können.

Vor einiger Zeit bekamen wir den Auftrag, für ein großes Unternehmen aus dem Pharmabereich eine innovative Lösung mittels Design Thinking zu finden. Da die Zeit drängte und wir wissen wollten, ob die Ideen überhaupt umsetzbar sein könnten, heuerten wir einen Experten mit Spezialwissen an und luden ihn ein, sich aktiv mit seinem Wissen einzubringen.

Das Team begann voller Tatendrang mit der Arbeit. Nach ca. 1 Woche bat mich der Experte um ein Gespräch. Er sagte mir, dass er der Einzige im Team mit der notwendigen und umfangreichen Erfahrung wäre, die ein Problem dieser Größenordnung bräuchte. Er hätte das Gefühl, dass das Team aus "Neandertalern" bestünde, die ihn nur unnötig zurückhalten würden, da sie das Problem nicht in der Tiefe verstehen würden. Ich besprach mit dem Team die Problematik und wir beschlossen, auf eigene Faust ohne den Experte weiterzumachen. Dieser arbeitete in der Zwischenzeit alleine ebenfalls an der Lösung weiter. Er fand auch eine interessante, aber inkrementelle Lösung, die er dem Unternehmen vorstellte. Unser "Neandertaler-Team" dagegen fand einen vollkommen neuartigen Ansatz, der letztlich auch ausgewählt und umgesetzt wurde.

Weil sie nicht das gleiche Verständnis und Know-how von dem Thema hatten, wie er selbst, lehnte der Experte das Team und damit eine großartige Chance aus dem Erfahrungswissen und der Intuition anderer Bereiche zu lernen ab.

Probieren Sie es selbst aus!

Obwohl der Zugang zu jemandem, der mit der Technologie vertraut ist, sehr wichtig ist und einem Team echt weiterhelfen kann, ist es noch wichtiger für eine Lösung, mit talentierten Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenzuarbeiten. Ich bin der Überzeugung, dass dadurch echte Durchbrüche erzielt werden können. Zwar wissen die meisten nicht genug, aber sie stellen die notwendigen, naiven Fragen, die sich die Experten nicht mehr trauen zu fragen. Dadurch bringen sie Gespräche zwischen Menschen verschiedenster Bereiche in Gang - und das lässt wiederum die tatsächlich kreativen Gedanken entstehen.

Seien Sie mutig und probieren Sie es doch einfach mal aus: Stellen Sie dazu für Ihr nächstes Projekt ein Team aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen. Ich bin gespannt, wie es Ihnen damit geht und welche Lösungen Sie finden, die Sie sonst womöglich übersehen hätten.