Wie erfolgreiche Menschen mit Stress umgehen

Die Fähigkeit, die eigenen Gefühle in Griff zu haben und vor allem unter Stress ruhig zu bleiben, ist ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Und nicht nur das: Eine Studie aus Yale hat gezeigt, dass länger andauernder Stress sogar für Degeneration im Bereich des Gehirns verantwortlich sein kann.

Stress (und die Angst, die damit einhergeht) ist eine absolut notwendige Emotion, die sich bereits vor langer Zeit entwickelt hat. Für Tiere ist Stress das, was sie erleben, wenn sie in ihrer unmittelbaren Umgebung physisch bedroht werden. Vor langer Zeit war das wahrscheinlich auch beim Menschen der Fall. Mit der Entwicklung unseres Gehirns hat sich auch die Komplexität erhöht und so haben wir die Fähigkeit entwickelt, uns bereits im Vorfeld Sorgen über Ereignisse zu machen, die Stress verursachen könnten.

Unser Gehirn ist so verdrahtet, dass es schwierig ist, bewusst Maßnahmen zu ergreifen, die uns zu einem emotionalen Gleichgewicht führen. Mehr noch: Je höher das Stresslevel ist, desto besser wird in den meisten Fällen unsere Leistung. Solange der Stress nicht länger andauert, ist das auch nicht weiters schlimm.

Nun wird das gefühlte Stresslevel in unserer heutigen Gesellschaft nicht unbedingt weniger, sondern das Empfinden an Stress steigt mehr und mehr an. Umso wichtiger ist es, dass Sie lernen, wie Sie in stressigen Situationen reagieren können. Wie u.a. die Yale-Studie zeigt, ist der falsche Umgang mit Stress für die Entwicklung unserer Hirnzellen alles andere als förderlich: Je länger der Stress andauert, desto mehr wird die Fähigkeit des Gehirns unterdrückt, neue Zellen zu entwickeln. Ein Grund dafür ist, dass wir mehr Energie dafür aufwenden müssen, aufmerksam zu sein und dadurch wird es schwieriger zu denken.

Neben der Erhöhung des Risikos an Herzerkrankungen, Depressionen und Fettleibigkeit zu erkranken, verringert Stress auch die kognitive Leistungsfähigkeit. Wobei man sagen muss, dass Stress subjektiver Natur ist - solange Sie nicht gerade von einem Löwen durch die Wildnis gejagt werden.

Erfolgreiche Menschen haben nun gute Bewältigungsstrategien, die sie unter stressigen Umständen einsetzen - unabhängig davon, was gerade in ihrer Umgebung passiert.

Die sechs besten Strategien möchte ich hier mit Ihnen teilen.

1. Sie sind dankbar für das, was sie haben

Nehmen Sie sich Zeit, um dankbar zu sein. Das hebt nicht nur Ihre Stimmung, sondern es reduziert das Stresshormon Cortisol um 23%. Das fand eine Studie der Berkley Universität heraus: Menschen, die Dankbarkeit kultivieren, haben eine verbesserte Stimmung, mehr Energie und körperliches Wohlbefinden. Wahrscheinlich spielt vor allem das reduzierte Cortisol eine wesentliche Rolle dabei.

2. Sie sind generell positiv eingestellt

Positive Gedanken helfen dabei, Stress zu vermindern. Lenken Sie dazu Ihre Aufmerksamkeit auf etwas, mit dem Sie Ruhe verbinden. Manches Mal müssen Sie Ihre wandernden Gedanken förmlich zwingen, an etwas Positives zu denken. Wenn die Dinge gut laufen und Ihre Stimmung generell positiv ist, ist das relativ einfach. Aber wenn es mal nicht so gut läuft, kann diese Übung eine richtige Herausforderung sein. Versuchen Sie dann, so gut es geht, an etwas Positives zu denken wie eine Veranstaltung oder ein Treffen, auf das Sie sich freuen, um Ihre Aufmerksamkeit weg von negativen Gedanken zu schieben.

3. Sie fragen nicht ständig nach „Was wäre wenn“

„Was wäre wenn?" Aussagen sorgen nur dafür, dass wir mehr Stress empfinden und unseren Fokus auf die Sorgen richten. Jede Entscheidung kann vollkommen unterschiedliche Auswirkungen mit sich bringen. Je mehr Zeit Sie damit verbringen, die verschiedenen Möglichkeiten immer und immer wieder zu analysieren, desto weniger Zeit haben Sie für die Umsetzung.

4. Sie rücken Ihre Perspektive ab und an zurecht

Stress und Sorgen werden vor allem durch unsere eigene verzerrte Wahrnehmung von Ereignissen befeuert. Es ist leicht zu glauben, dass unrealistische Deadlines, bösartige Kollegen oder fordernde Chefs die Gründe für unseren Stress sind. Solche Umstände können wir auch nicht kontrollieren, aber Sie können sehr wohl steuern, wie Sie darauf reagieren. Bevor Sie also zu viel Zeit damit verbringen, jemanden die Schuld für Ihren Stress in die Schuhe zu schieben, nehmen Sie sich eine Minute Zeit und betrachten Sie die Situation aus einer anderen Perspektive. Wenn Sie nicht sicher sind, wann das der Fall ist, dann achten Sie darauf, wann Sie in Aussagen wie „Nichts funktioniert“, „alles läuft irgendwie in die falsche Richtung“ etc. denken. Solche Gedanken sind oft gute Hinweise darauf, dass Sie unproduktive Gedankenmuster produzieren. Je unspezifischer die Dinge sind, desto mehr Stress verursachen Sie meistens.

5. Sie bitten aktiv um Unterstützung

Die meisten von uns glauben, dass wir alles immer alleine schaffen müssen. Aber um ruhig und vor allem wirklich produktiv zu arbeiten, ist es wichtig, dass Sie Ihre Schwächen anerkennen und um Hilfe bitten, wenn Sie diese brauchen. Suchen Sie nach Personen in Ihrem Leben und bitten Sie diese um Hilfe, wenn Sie sie brauchen. Wenn Sie mit jemand anderen über Ihre Sorgen sprechen, verschwinden die meisten Ängste von alleine und Sie gewinnen neue Perspektiven auf Ihre Situation. Die meiste Zeit sehen wir Lösungen nicht, weil wir zu sehr emotional in einer Situation stecken. Um Hilfe zu bitten baut einerseits Stress ab und stärkt andererseits die Beziehung zu anderen Menschen.

6. Sie atmen bewusst

Der einfachste Weg, um Stress abzubauen, liegt in der richtigen Atmung. Wenn Sie sich auf Ihren Atem fokussieren, trainieren Sie gleichzeitig Ihr Hirn. Wenn Sie sich gestresst fühlen, nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um sich auf Ihre Atmung zu konzentrieren. Schließen Sie die Tür, legen Sie alle anderen Ablenkungen beiseite und sitzen Sie nur da und atmen Sie. Das Ziel ist, dass Sie sich voll und ganz auf Ihre Atmung konzentrieren und Ihren Geist daran hindern, umherzuwandern. Denken Sie nur darüber nach, wie es sich anfühlt, ein-und auszuatmen. Das klingt einfach, aber es wirklich harte Übung mehr als eine Minute daranzubleiben. Vor allem am Anfang werden Sie schnell von anderen Gedanken abgelenkt werden. Der Trick liegt darin, Ihren Fokus zurück zu Ihrem Atmen zu bringen. Versuchen Sie einfach mal diese Übung aus - Sie werden überrascht sein, wie ruhig Sie sich nachher fühlen und wieviel einfacher es danach ist, loszulassen.

Generell gilt: Nur wer sein eigenes Stressempfinden gut kennt, kann damit gut leben und kann Stress zum eigenen Vorteil nutzen oder bewusst abschalten.