Was Ihr Verhalten im Alltag über Ihre Persönlichkeit verrät

Laut Psychologen sind es vor allem fünf Charakterausprägungen, - die sogenannten BIG Five - die unser Leben genauso wie unsere Laufbahn beeinflussen. Aber Sie müssen nicht unbedingt den Charakter kennen, um auf das Verhalten und die Persönlichkeit zu schließen. Es geht auch umgekehrt, wie eine Studie zeigt. So kümmern sich gewissenhafte Mensch mehr um ihre Gesundheit als andere. Oder extrovertierter Personen scheinen generell glücklicher zu sein und mehr Geld zu verdienen womöglich als ihre introvertierteren Kollegen.

Unsere Persönlichkeit zeigt sich aber nicht nur in unserem langfristigen Erfolg und Wohlbefinden. Sie korreliert auch mit der Art und Weise, wie wir auf einer profanen täglichen Basis agieren. So behauptet zumindest eine Studie, die das Verhalten von mehr als 800 Personen im Durchschnittsalter von 51 Jahre unter die Lupe genommen hat. Dazu wurden die Testpersonen gebeten, unter 100 verschiedene Adjektive - wie schüchtern, freundlich, ordentlich, entspannt, launisch und künstlerisch - das auf ihr Verhalten passende auszuwählen. Vier Jahre später wurde dieser Test wiederholt und miteinander verglichen, wie oft sie im letzten Jahr 400 verschiedene Aktivitäten durchgeführt hatten: vom Lesen eines Buches bis zum Singen unter der Dusche. Die Ergebnisse überraschen.

Je höher die Tendenz zu einem bestimmten Merkmal ist, desto mehr...

Nun überrascht es natürlich wenig, dass extrovertiertere Menschen eher auf Partys gehen und viele Freunde haben. Oder dass gewissenhafte Leute weniger wahrscheinlich zu spät kommen. Aber hätten Sie zum Beispiel gedacht, dass Extrovertiertere auch mehr Zeit damit verbringen, sich zu bereichern bzw. gerne darüber sprechen, wie sie sich noch mehr bereichern können? Oder dass Gewissenhaftigkeit Hand in Hand mit dem Lesen weniger Bücher geht?

Aber es geht noch weiter: Extrovertierte Personen verbringen demnach auch mehr Zeit damit, Partys zu planen, in Bars zu gehen, telefonierend zu fahren, zu dekorieren und sich zu bräunen. Ein hoher Grad an Gewissenhaftigkeit zeichnete sich dagegen durch das Vermeiden verschiedener Aktivitäten aus, einschließlich solch harmloser Zeitvertreibe wie Lesen, Fluchen und Kauen auf einem Bleistift.

Menschen, die einen hohen Grad an Verträglichkeit zeigen, gaben an, dass sie mehr Zeit damit verbringen zu bügeln, mit Kindern zu spielen und das Geschirr abzuspülen - vermutlich weil sie stärker motiviert sind, andere Menschen glücklich zu machen und auch die Hausarbeit lieber erledigen als häusliche Bitterkeit zu riskieren. Überraschenderweise singen sie auch eher in der Dusche oder im Auto.

Neurotizistische Menschen beschäftigten sich hingegen häufiger mit Aktivitäten, die dazu beitragen, aktiv physische und psychische Leiden zu verringern, wie zum Beispiel die Einnahme von Beruhigungsmitteln und Antidepressiva. Sie gaben aber auch an, dass sie mehr asoziales Verhalten zeigten, zum Beispiel, indem sie öfters die Beherrschung verlieren oder sich über andere lustig zu machen (die Psychologen nehmen an, dass der Grund dafür in der schweren Kontrollierbarkeit der eigenen Gefühle geht).

Menschen mit einer Tendenz zu mehr Offenheit für Erfahrungen lesen hingegen lieber Gedichte, besuchen die Oper und Kunstausstellung, fluchen weniger und sitzen gerne nackt herum (um genau zu sein gaben die Teilnehmer an, dass sie verglichen mit den anderen Teilnehmern im letzten Jahr etwa doppelt so häufig nackt im Haus herumgegangen sind).

Wie Ihnen dieses Wissen weiterhilft

Diese Studie mag auf den ersten Blick einfach nur belustigend wirken. Natürlich gibt es noch unzählige weitere Verhaltensweisen, die nicht betrachtet wurden und es ist fraglich, inwiefern sich diese Studie auf eine Vielzahl an Menschen übertragen lässt. Aber diese Erkenntnisse ergänzen frühere Forschungen zu Verhaltens- und Persönlichkeitsverknüpfungen, von denen sich die meisten eher auf spezifischere Aktivitäten oder nur auf bestimmte Merkmale konzentrieren. Zum Beispiel haben frühere Studien gezeigt, dass sehr gewissenhaften Menschen eher eine Uhr tragen, ihre Haare kämmen und ihre Schuhe polieren; dass Extrovertiertere mehr Tätowierungen haben, dass Introvertiertere eine konkretere Sprache benutzen; angepasste Leute bekommen weniger Strafzettel und essen mehr Süßigkeiten und der Grad an Offenheit für neue Erfahrungen korreliert mit einer Vorliebe für Obst und Gemüse.

Dennoch helfen solche Studien dabei, dass aufgrund solcher Angaben gezielter Kampagnen und -interventionen beispielsweise in der Gesundheitsvorsorge geschaltet werden können. Bei der Persönlichkeitsforschung geht es oft auch darum, dass die Menschen Fragebögen über sich selbst beantworten - hoffentlich ehrlich und weniger so, wie sie denken, dass es sozial passt. Und vielleicht fällt es Ihnen mit dem Wissen um diese Korrelationen auch leichter, gewisse nervende Eigenheiten Ihrer Mitmenschen nachzusehen.