Warum uns interessiert, was andere über uns denken und was wir gewinnen, wenn wir damit aufhören

So oft erlebe ich in meinen Beratungen, dass Menschen großartige Ideen zurückhalten - weil sie sich nicht trauen. Weil sie Angst vor der Zurückweisung oder einer möglichen Blamage haben. Große Ideen können aber nur dann entstehen, wenn wir den Mut haben, uns selbst und unsere Ideen zu feiern.

Einer unserer größten Denkfehler ist die Idee, dass das, was andere von uns denken, tatsächlich wichtig ist. Diese Vorstellung hat ursprünglich evolutionäre Wurzeln: Als unsere Vorfahren ihren Lebensraum noch mit Mammuts und Säbelzahntigern teilten, war ein Zurückbleiben gleichzusetzen mit dem sicheren Tod. Sich in die Gruppe zu integrieren, bedeutete das nackte Überleben. Wir brauchten einander, um weiterleben zu können. Aber in der heutigen Zeit ist dieser soziale Imperativ zu einem unserer größten Hindernisse für unsere eigene Selbstentwicklung geworden. Wir leben in einer massiven Angst, nicht akzeptiert und geliebt zu werden. Diese vermeintliche Bedrohung hat unglaubliche Einflüsse auf unser Denken und Handeln.

Unsere Landkarten

Wir alle haben eine eigene Vorstellung davon, wie unsere innere und unsere äußere Landkarte aussieht. Während unsere Innenlandschaft aus unseren subjektiven Erfahrung besteht und unser authentische Selbst widerspiegelt, ist unsere Außenlandschaft ein Produkt unserer Weltanschauung. Zusammen bilden diese beiden Sichten eine eigene, psychosoziale Dynamik, deren Angelpunkt die Balance zwischen Selbst- und Außenwahrnehmung ausgleicht. Verschiebt sich nun diese Balance hin zur Außenwahrnehmung, weil wir z.B. anfangen, anderen zu gefallen oder mehr Kontrolle in unser Leben bringen möchten, verschiebt sich auch unser Fokus. Wir suchen dann die Bezugspunkte im Außen und nicht mehr in unserer ursprünglichen Natur.

Das authentische Selbst

Das authentische Selbst unterscheidet sich vom egozentrischen Selbstbild, da letzteres von außen gefüttert und beeinflusst wird. Die Betrachtung von außen trübt daher auch unser Selbstbild. Je mehr wir versuchen, unsere Empfindlichkeiten durch äußere Mittel zu beeinflussen, desto mehr wird unsere Vision von uns selbst getrübt und desto weiter distanzieren wir uns von unserem authentischen Selbst. Anstatt in unseren sozialen Interaktionen aufzugehen, überlegen und verhalten wir uns so, dass wir anderen gefallen - anstatt unser Selbst einfach nur zu leben und zu feiern.

Das egozentrische Selbst

Das egozentrische Selbst ist eine Fassade, die sich aus den Forderungen unseres Kontextes nährt. Je nachdem, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, setzen wir andere Maßstäbe an uns und andere. Es ist unser Selbstverständnis, unsere soziale Maske, eine Rolle, die wir spielen. Und diese beruht auf Anerkennung und Akzeptanz von außen. Der Wunsch nach Akzeptanz macht Selbstkritik notwendig, die sich aus dem negativem Selbstgespräch nährt und wiederum schuld an unseren Ängsten und Sorgen ist. Diese Furcht stammt aus unterschiedlichen Quellen, die vor allem die Frage in den Vordergrund stellt, warum wir "so viel weniger als andere sind" bzw. warum wir nicht erfolgreicher/besser/klüger/schöner sind.

Selbstakzeptanz als Voraussetzung

Selbstliebe entsteht aus der Selbstakzeptanz, die wiederum aus der Erkenntnis wächst, dass wir perfekt sind - genauso wie wir sind. Diese Anerkennung vertreibt die bösen Geister und die Furcht in uns: Wir brauchen dann nicht mehr nach außen zu schauen, da im Inneren alles passt und selbstverständlich ist. Dann können wir auch voll und ganz unsere Macht ausspielen - wenn wir anerkennen, dass unsere authentische Natur alles ist, was wir brauchen, um wirklich wir zu sein.