Sind Sie Opfer des "Spotlight-Effekts"?

Jeder von uns hat schon mal peinliche Situationen erlebt. Irgendwann stolperten wir auf der Treppe in einem überfüllten Raum, verschütteten ein Getränk, das auf einem Fremden landete, schwafelten Unsinn bei einem wichtigen Gespräch oder sind mit voller Wucht in ein Fettnäpfchen gesprungen.

Peinliche Momente sind vor allem eines: menschlich

All diese Erfahrungen, auf die wirklich jeder Mensch im Laufe seines Lebens zurückschauen kann, machen vor allem eines: Sie lassen uns schlecht fühlen und versorgen uns mit Horrorbilder, die andere über uns haben könnten. Den einen trifft es vielleicht mehr als den anderen, aber solche Erfahrungen haben Einfluss darauf, wie mutig wir sind, wenn es um Kreativität und Risiko geht. Peinliche Momente lassen uns rot anlaufen oder öffnen vor uns ein schwarzes Loch, in dem wir uns am liebsten verstecken würden.

Laut sozialpsychologischen Forschung ist die Anzahl der Menschen, die das Missgeschick überhaupt bemerkt haben, mit Sicherheit viel geringer als Sie denken. Wir überschätzen, wie sehr unsere Handlungen und unser Äußeres von anderen wahrgenommen wird. In der Psychologie wird dieser Effekt der "Spotlight-Effekt" genannt.

Barry Manilow als Versuchsobjekt

Rund um diesen Effekt gibt es eine Reihe verschiedene Studien. Eine interessante Forschung stammt aus dem Jahr 2000. Zu diesem Zweck haben die Forscher die Teilnehmer erklärt, es handle sich um ein Programm rund um Erinnerung. Die Probanden wurden gebeten, ein T-Shirt mit einem Abdruck von Barry Manilow zu tragen (Barry Manilow gilt als Schnulzenkönig und dürfte den Coolnessfaktor eines Kreditantrags haben) und einen Raum voller Menschen zu betreten. Nachdem jeder Teilnehmer den Raum verlassen hatte, wurde er oder sie gebeten zu schätzen, wie viele Personen in dem Raum sich erinnern konnten, wer auf dem T-Shirt abgebildet war, während die Beobachter im Raum gefragt wurden, ob sie sich erinnern konnten, ob und wer überhaupt das T-Shirt anhatte.
Das Ergebnis: Die Teilnehmer überschätzten drastisch, wie viele Menschen sich daran erinnern konnten, dass Barry Manilow prominent auf dem T-Shirt abgebildet war.

Diese Studienreihe wurde dann weiterverfolgt, um zu untersuchen, inwiefern der Spotlight-Effekt nicht nur auf die Auftritte der Menschen, sondern auch deren Handlungen betrifft. Dazu sollten die Probanden 30 Minuten lang in Gruppen diskutieren, welche Probleme in Städten auftreten. Am Ende des Gesprächs schätzte jede Person, wie die Gruppe ihre Leistung und die Leistung der anderen Mitglieder der Gruppe einschätzen würde. Wie bei den vorherigen Studien tendierten sie dazu, die Aufmerksamkeit, die ihnen geschenkt wurde, vollkommen zu überschätzen. Das, was dem Sprecher selbst als peinlich erschien, fiel den anderen nicht einmal auf.

Jeder ist sich selbst der Nächste?

Warum denken wir, dass alle auf uns achten? Die Antwort der Forscher ist, dass wir alle sehr auf uns selbst konzentriert sind. Wir sind uns unserer eigenen Erscheinung und Handlungen bewusst. Und wir haben Schwierigkeiten zu erkennen, dass andere Menschen nicht so auf uns konzentriert sind. Wir sind durch unsere eigenen Erfahrungen so getriggert, dass es uns schwer fällt, uns von diesem Denken zu verabschieden und genau abzuschätzen, wie viel Aufmerksamkeit andere Menschen uns schenken.

Bei einer weiteren Studie ließen die Forscher die Teilnehmer Zeit, sich an die Situation zu gewöhnen. Wieder wurde die Barry Manilow T-Shirt-Studie durchgeführt, wobei die eine Hälfte der Teilnehmer 15 Minuten in einem nahegelegenen Raum warten mussten, bevor sie ihre Schätzungen abgeben sollten. Durch Verzögerung des Schätzprozesses gaben die Experimentatoren den Teilnehmern die Zeit sich daran zu gewöhnen, die T-Shirts zu tragen. Sobald die Teilnehmer sich in ihrem T-Shirt wohl gefühlt hatten, waren sie sich dem Gesicht darauf nicht mehr so bewusst. Dadurch gingen sie auch nicht mehr davon aus, dass alle anderen auch so gut waren. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie tatsächlich ihre eigenen Erfahrungen als Grundlage nehmen, um abzuschätzen, was andere denken.

Die Quintessenz

Es gibt wirklich keinen Grund, Angst vor einer möglichen Blamage zu haben oder zu erröten und wegzulaufen, wenn Sie sich blamieren. Sie sind ziemlich sicher die einzige Person, die wirklich auf das Missgeschick geachtet hat. Aber geben Sie den Menschen auch die Zeit, dass sie Ihr neues Hemd nicht bemerken oder Sie zu diesem wirklich schlauen Kommentar beglückwünschen, den Sie während eines Treffens gemacht haben. Sie achten nicht so genau auf Ihre Erscheinung und Ihre Handlungen wie Sie, weil sie zu beschäftigt damit sind, auch auf sich aufmerksam zu machen.