Sind Sie ein guter Teamplayer?

Wo immer Menschen in Teams arbeiten, wird konkurriert, diskutiert und debattiert, genauso aber auch kooperiert und Kompromisse geschlossen. Denn Meinungsverschiedenheiten gehören eben einfach zu jedem Arbeitsalltag dazu. Genauso wie das Arrangieren mit vorhandenen Strukturen.

Vielfach wird der Begriff Teamfähigkeit synonym verwendet für u.a.

  • eine Charaktereigenschaft oder einem natürlichen Talent
  • einem guten Auskommen mit allen Kollegen
  • immer nett und höflich miteinander zu sprechen
  • sich stets unterzuordnen und nichts in Frage zu stellen etc.

Dabei ist Teamfähigkeit vielmehr als nur eine hohle Floskel. Die Fähigkeit, in Teams zu arbeiten, ist für mich vielmehr

  • die Art und Weise, wie Menschen konstruktiv und respektvoll mit einander umgehen und zusammenarbeiten
  • eine Fähigkeit, die Vielfalt der Charaktere, Meinungen und Talente als Bereicherung zu sehen
  • der respektvolle und tolerante Umgang mit Meinungsunterschieden
  • die Unterstützung innerhalb der Gruppe - unabhängig von der eigenen Lust und Laune
  • das selbstbewusste Vertreten der eigenen Ideen, ohne dafür andere Vorschläge und Gedanken niederzumachen
  • auf andere zu achten, vor allem schwächere Mitglieder rücksichtsvoll zu behandeln
  • die disziplinierte und zuverlässige Erledigung der übertragenen Aufgaben
  • die gemeinsame Zielverfolgung

Zusammengefasst ist für mich teamfähig, wer empathisch und selbstreflektiert agiert und dabei Konflikte nicht scheut, sondern Querdenken als Chance sieht.

Wo ein Wille, da ein Weg?

Der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis zu sozialen Gruppen zu gehören. Trotzdem bedeutet dieses Bedürfnis aber nicht automatisch, dass Menschen deswegen im oben genannte Sinne auch teamfähig sind. Oft sind es individuelle Interessen, die den Teamgeist vergiften. Die konkurrierenden Instinkte der Menschen enden leider oft in Grabenkämpfe.

Und auch wenn der Wille zur Zusammenarbeit vorhanden ist, hilft all die Zuversicht nicht, wenn das Fachwissen an der falschen Stelle ist, Werte nicht miteinander harmonieren oder jemand einen eigenen Arbeitsstil hat. Dann wird aus dem besten Einzelkämpfern ein miserables Team. Das, was Teams vor allem brauchen, sind gute Manager, die die richtigen Menschen zu den richtigen Aufgaben zusammenpflücken und sie inspirieren, ihre egoistischen Agenden hintenanzustellen, um sich auf gemeinsame Ziele zu konzentrieren. In Wahrheit ist genau das die Kernaufgabe eines wirklich guten Managers: Ein leistungsstarkes Team aufzubauen. In vielen Unternehmen mangelt es aber genau daran.

In solchen Fällen ist es hilfreich zu wissen, dass es verschiedene Persönlichkeitsprofile gibt, die mal mehr und mal weniger geeignet diese Teamfähigkeit unterstützen. Demnach reicht es also nicht, sich die Ziele einer Gruppe anzusehen und dann zu überlegen, ob dieses attraktiv genug ist, um mitzumischen. Sie müssen überprüfen, ob Sie auch zu dem Team passen, dem Sie beitreten wollen.

Drei verschiedene Eigenschaften sind meiner Erfahrung nach ausschlaggebend, wenn es um die eigene Teamfähigkeit geht:

1. Kreativität und Offenheit

Als Innovationsberaterin vertrete ich die These, dass Innovation niemals das Ergebnis eines einzelnen Genies ist. Um innovativ zu agieren, reicht es aber noch lange nicht, dass Teams in kreativer Art zusammenarbeiten. Vielmehr zählt die Offenheit der einzelnen Mitglieder, wobei ich selbst Offenheit als eine intellektuelle Neugierde gepaart mit einem Sinn für Unkonventionalitäten, Sensibilität und Freude am Nervenkitzel betrachte.

Aber wie alles im Leben hat auch Offenheit zwei Seiten: Einerseits hilft diese Eigenschaft, den Status Quo in Frage zu stellen. Je offener Sie sind, desto wahrscheinlicher finden Sie neue Wege und freuen sich auf Veränderungen.

Auf der anderen Seite scheitert ein Zuviel an Offenheit oftmals an der Fähigkeit, die Dinge auch zu Ende zu bekommen.

Ein Team, das nur aus offenen Personen besteht, wird sicherlich viele Ideen entwickeln und neue Dinge ausprobieren wollen, aber spätestens bei der Umsetzung wird es aller Wahrscheinlichkeit nach hapern. Deswegen ist es wichtig, dass immer jemand im Team dabei ist, der weniger offen ist, die Dinge dafür aber zu Ende bringt.

2. Ehrgeiz

Wenige Persönlichkeitsmerkmale sind bessere Indikatoren, ob Sie für Teamarbeit geboren sind, als Ehrgeiz. Ehrgeizige Menschen sind einerseits von Natur aus wettbewerbsfähig, sodass sie in der Regel in der Lage sind, eine gewinnbringende Mentalität in ihr Team zu bringen. Der Fokus liegt dann vor allem auf dem Ergebnis. Aber Ehrgeiz kann dazu verleiten, es manches Mal mit der eigenen Moral oder auch der Wertanschauung der anderen nicht so eng zu sehen – vor allem dann, wenn es darum geht, Ziele zu erreichen. Nicht selten wird dann noch die Kompetenz des Projektleiters in Frage gestellt und mit anderen Teammitgliedern um den Status konkurriert.

Je ehrgeiziger jemand ist, desto schwieriger ist es für denjenigen meistens, die richtige Balance zwischen dem eigenen und dem gemeinsamen Vorwärtskommen zu finden. Hilfreich ist Ehrgeiz aber dann, wenn es darum geht, dass Team zu motivieren, die Konkurrenz zu schlagen.

3. Selbstdisziplin

Gewissenhafte Menschen sind zuverlässig, pflichtbewusst und gut organisiert. Auch sind sie großartige Planer (und oft die Verfechter sämtlicher Excel-Sheets im Unternehmen). Solche Menschen sind meist für knallharte Selbstdisziplin bekannt, was dabei hilft, Ablenkungen zu vermeiden und die Dinge zu einem Ende zu bringen - auch wenn es nicht die Aufgabe selbst ist, die dazu motiviert.

Oft fällt sehr gewissenhaften Personen Gruppenarbeiten schwer: Sie ahnen, dass sie alleine auf weiter Flur mit ihrer Wertanschauung sind bzw. die anderen zumindest weniger organisiert und diszipliniert. Und doch ist gerade diese Eigenschaft so wichtig - auch wenn wir das in dieser hektischen und allzu lauten Welt vergessen.

Fazit

Zwar schließen sich diese verschiedenen Persönlichkeiten nicht gegenseitig aus, aber trotzdem neigen die meisten Menschen zumindest zu einer dieser Eigenschaften. Teams sind immer dann effektiv, wenn ein gesundes Gleichgewicht dieser Eigenschaften herrscht und Menschen ihren persönlichen Platz finden, der mit ihrem natürlichen Stil kompatibel ist.