Raus aus der Komfortzone, rein in die Komm-vor-Zone

Bekannte Routinen, Themen und Abläufe, die Sie bereits im Schlaf kennen, sind vor allem eines: Verlockend. Wer sich in bekanntem Terrain aufhält, geht nur selten Risiken ein, erlebt so gut wie nie (böse) Überraschungen und erfüllt die Erwartungshaltungen der Umwelt. Die Komfortzone ist ein Ort zum Ausruhen und Verweilen. Und genau darin lauert auch die Gefahr. Denn wer sich immer nur im gewohnten Rahmen bewegt, endet schnell in der Sackgasse und verhindert die eigene Veränderung.

Nur wer sich regelmäßig aus der eigenen Komfortzone traut, wird letztlich erfolgreich und glücklich sein. Aber wer will sich absichtlich unwohl fühlen und vermeintlichen Gefahren aussetzen, wenn es nicht um Leben oder Tod geht?

Die meisten Menschen meiden Veränderungen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Es lässt ja auch in der Komfortzone gut leben - schließlich weiß man dort genau, was einem erwartet. Das Gefühl der Kontrolle ist es auch, das uns dort gefangen hält. Die Komfortzone wiegt uns in Sicherheit und Geborgenheit dank des Altem und bereits Dagewesenem. Vor allem drei Ängste sind es, die uns an die eigene Komfortzone fesseln: Die Angst vor dem Versagen, die Angst vor Anstrengung und die Angst vor Zurückweisung.

Die Komfortzone zu verlassen birgt immer eine gewisse Wahrscheinlichkeit, es nicht jedem recht zu machen, selbst vor den Kopf gestoßen oder abgelehnt zu werden. Und dennoch müssen Sie den Schritt raus wagen, wenn Sie wachsen und lernen wollen. Wir brauchen Situationen, die uns fordern und die uns zwingen, neue Wege zu gehen. Das ist in der heutigen Welt einfach notwendig. Ohne die Fähigkeit und den Mut, den Sprung zu wagen, können wir keine Fortschritte machen.

Die gute Nachricht: Es gibt ein paar einfache Tricks, die Sie beim Verlassen der Komfortzone unterstützen und diese vielleicht unangenehmen, aber wichtigen Lektionen schätzen zu lernen.

Zuerst seien Sie ehrlich mit sich selbst: Sie wollten nicht um Feedback fragen, weil Sie Angst haben, Sie könnten eine Absage bekommen? Sie haben Ihre Meinung nicht mit den anderen geteilt, weil Sie Konflikte lieber meiden? Schauen Sie sich bewusst die Aussagen an, die Sie am meisten verwenden, um Situationen außerhalb Ihrer Komfortzone zu meiden und fragen Sie sich, ob diese wirklich legitim sind. Wenn jemand anderer Ihnen die gleiche Antwort geben würde, würden Sie diese Ausrede gelten lassen? Seien Sie ehrlich zu sich selbst und blicken Sie Ihren Ängste und Vorstellungen offen in die Augen. Erkennen Sie die eigentliche Angst hinter Ihren Ausreden.

Erkennen Sie Ihre Chancen und nutzen Sie sie: Warten Sie nicht, bis Sie zufällig in eine herausfordernde Situation stolpern. Gerade beim Design Thinking gibt es unzählige Möglichkeiten, die sich bewusst variieren lassen und in denen Sie immer wieder Neues lernen können. Wir haben vielmehr Spielraum, als wir glauben und viele dieser Aufgaben fühlen weniger abscheulich an, als Sie im ersten Moment vielleicht denken. Sie können auch immer eine Möglichkeit finden, um stückchenweise aus Ihrer Komfortzone rauszukommen. Wenn Sie z.B. keinen Fremden ansprechen möchten, um nach Feedback auf ein Produkt z.B. zu fragen, dann bitten Sie jemanden, den Sie nicht ganz so gut kennen, dass er Ihnen hilft und Ihnen ein paar Fragen beantwortet. Oder wenn Ihnen Ihre Meinung unter den Nägeln brennt, Sie aber Konflikte scheuen, dann starten Sie doch damit, in Einzelgespräche zu argumentieren zu üben und bitten Sie danach Ihren Gesprächspartner um ehrliches Feedback, ob er sich wirklich angegriffen gefühlt hat und wenn ja, wie Sie das vermeiden können.

Schließlich wagen Sie den Sprung und verlassen Sie Ihre Komfortzone - auch wenn es vielleicht zu Beginn unangenehm ist. Setzen Sie erste Maßnahmen, gleich an Ort und Stelle, die Sie dazu zwingen. Erkennen Sie, dass das, wovor Sie anfangs noch Angst hatten, bei weitem nicht annähernd so schlimm ist, wie Sie dachten. Erlauben Sie sich, Ihre Meinung gegebenenfalls zu revidieren und Spaß an einer Sache zu haben! Ich erlebe es immer wieder, dass meine Kunden bei den ersten Begegnungen und Gesprächen mit den eigenen Kunden zwar noch scheu sind, das erste Gespräch aber bereits ein wirkliches Aha-Erlebnis bringt und sie schließlich dankbar sind und mit Freude weitermachen.

Starten Sie mit kleinen Schritten: Anstatt sich selbst unrealistische Ziele zu setzen und zu zwingen, gleich zu Beginn alles zu geben, starten Sie klein und erlauben Sie sich selbst zu lernen. Sagen Sie bei einem Interview zum Beispiel gleich zur Eröffnung, dass Sie nervös sind und dass Sie eigentlich nur verstehen möchten, um zu helfen. Bitten Sie nach dem Gespräch um Feedback, was gut und was weniger gut gelaufen ist.

Fazit

Sie können beim Verlassen der Komfortzone ins Stolpern geraten - aber das ist in Ordnung. In Wahrheit ist es sogar der einzige Weg, um wirklich zu wachsen und zu lernen. Fehltritte sind gerade am Anfang einfach unvermeidlich - vielmehr noch, Sie sind der wichtigste Teil im Lernprozess. Obwohl wir uns in Situationen außerhalb unserer Komfortzone teilweise wie gelähmt fühlen, haben wir mehr Macht als wir denken. Also gehen Sie raus. Seien Sie ehrlich zu sich und wagen Sie den Sprung. Ich wette mit Ihnen, dass Sie letztlich unglaublich dankbar sein werden, dass Sie die Gelegenheit ergriffen haben, um zu wachsen, zu lernen und Ihr eigenes Repertoire zu erweitern.