Müssen Sie wirklich erst kreativ werden?

In meiner Arbeit ist Kreativität der Schlüssel zu Innovation. Extrem viele erfolgsversprechende Möglichkeiten gehen in Unternehmen verloren, weil sie das kreative Potential der Mitarbeiter nicht zu wecken wissen oder gar erahnen. Laut einer weltweit durchgeführten Umfrage ist es auch die Kreativität, die als eine der wichtigsten Eigenschaften von Führungskräften genannt wurde.

Für mich ist es deshalb das oberste Ziel, Menschen Mut zu machen, bewusst kreative Risiken einzugehen und Ideen auszuprobieren - mit dem Wissen, dass Scheitern zum Prozess gehört.

Kreativität als Teil Ihrer DNA

Ich bin davon überzeugt, dass alle Menschen mit Kreativität in sich geboren werden. Als Kinder stellen wir alle möglichen Fragen, wir verlieren uns im imaginären Spiel und zeichnen, was das Zeug hält. Im Laufe der Zeit ersticken diese kreativen Impulse bei den meisten von uns aufgrund von Sozialisierung und dem Bildungsweg. Wir lernen, analytischer und vor allem vorsichtiger zu denken. Und so teilt sich die Welt mehr und mehr in "Kreative" und "Nichtkreative", wobei die Zahl von letzteren zu überwiegen scheint. Viel zu viele glauben, dass Kreativität ein Zustand des Seins ist. Etwas, das man ist oder eben nicht.

Aber Hand aufs Herz: Was hindert Sie wirklich daran, hier und jetzt kreativ zu sein? Oft ist es die eigene Wahrnehmung, dass Kreativität etwas ist, das Sie sind und dass Sie nach Belieben an- bzw. abschalten können. Wie wäre es, wenn Sie glauben würden, dass Kreativität eine Fähigkeit ist, die sich entwickeln lässt? Eine Fähigkeit, die Einschränkungen liebt? Eine Fähigkeit, die Sie mit der Zeit ausbauen können und Sie darin besser, nicht schlechter werden?

Denn letztlich ist Kreativität eine Fähigkeit, die jeder erweitern und lernen kann.

Mein eigener Weg zur Kreativität

Bevor ich mich als Unternehmensberaterin mit dem Schwerpunkt Design Thinking selbstständig gemacht habe, war ich selber der festen Überzeugung, ich wäre nicht kreativ. Ich sah in der Schule zu, wie Mitschüler wie aus dem Nichts Dinge erschaffen konnten, die mich teilweise sprachlos werden ließen.
Aber mit der Zeit habe ich gelernt, dass Kreativität etwas ist, die ich in mir schlummert, das ich aber längst vergessen habe. Es ist eine Eigenschaft, die sich lohnt wieder mal auszugraben. Und so fand ich mehr und mehr neue und andere Wege, um Probleme zu lösen. Ich entdeckte für mich visuelle Ansätze, die sich besser mit meiner Denkweise in Einklang bringen ließen als die herkömmlichen Methoden. Ich lernte, was es bedeutet, die Perspektive zu wechseln, warum es sich lohnt mutig zu sein und auch mal dumme Fragen zu stellen. Ich erfuhr, wann Quantität und wann Qualität zählt und wie das Team am besten zusammengestellt sein sollte, um wirklich geniale Lösungen zu entwickeln.

Ich habe gelernt, wie man die Probleme in handhabbare Teile zerlegt, anstatt zu versuchen, große Probleme auf einmal zu lösen. Und mir wurde klar, wie wichtig es ist, ein Problem mit Mut anzugehen, ohne dass mein Verstand nicht einmal ein Problem als etwas betrachten würde, das ich lösen könnte.

Wie Sie Kreativität entwickeln können

Die Entwicklung von Kreativität erfordert aber vor allem ein klares Bewusstsein dessen, was es ist und was es nicht ist und wie es sich von Innovation oder Vorstellungskraft unterscheidet.

Wenn Sie Ihre Kreativität entwickeln wollen, müssen Sie als erstes Ihre Angst vor Fehlern in den Griff bekommen. Ohne den Mut, die Dinge einfach mal auszuprobieren, werden Sie nie erfahren, was aus Ihrer Idee hätte werden können.

Fazit

Kreativität ist eine Fähigkeit wie jede andere, die Sie genauso entwickeln und verbessern können. Es gibt keinen Schalter, den Sie umlegen müssen, noch ein Persönlichkeitsmerkmal, mit dem Sie geboren werden oder nicht. Wenn Sie dieses Wissen erkennen, werden Sie erst die vielen Möglichkeiten erkennen, wo und wann Sie Ihre Kreativität überall einsetzen können. Sie werden überrascht sein.