Kennen Sie die schlimmsten Aussagen in Meetings?

Meetings. Alleine dieses Wort lässt die meisten Arbeitnehmer instinktiv seufzen. Endlose Monologe, Diskussionen, die sich im Kreis drehen, langweilige Vorträge. Im schlimmsten Fall sitzen die Menschen aufeinander, diskutieren stundenlang und gehen dann schließlich ohne wirklich schlauer zu sein wieder raus. Kein Wunder, dass viele verstohlen während solcher Meetings ihre E-Mails checken oder die Zeit für ein Nickerchen nutzen...

Bei der Arbeit glücklich zu sein, ist natürlich wichtig. Die Zusammenarbeit mit anderen Leuten fördert in der Regel auch die Motivation und Stimmung. Idealerweise sind Meetings Quellen der Kreativität, Energie und Kollegialität. Aber das ist leider nicht oft der Fall. Schnell fällt ein unbedachtes Wort, das einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Das schadet nicht nur dem Meeting selber, sondern führt zu einem generell vergifteten Klima im Unternehmen.

Ich verbringe viel Zeit in diversen Kick-off-Meetings und Besprechungen. Im Grunde ist das der Ort, an dem Sie am meisten über Menschen lernen können. Denn Meetings werden oft genutzt, um Machtkämpfe und Unstimmigkeiten auszutragen oder auch – bewusst und unbewusst - Gefühle zu verletzen.
Auch wenn nicht immer Kunden, Kollegen oder Vorgesetzte gewisse Phrasen in böser Absicht einsetzen, macht es diese nicht weniger gefährlich. Meistens fallen solche Aussagen im Eifer des Gefechts, wenn die Zeit drängt oder weil ein Vorschlag den eigenen Vorstellungen entgegen läuft.

Im Folgenden möchte ich mit Ihnen eine Liste mit den Top 6 Fettnäpfchen-Aussagen teilen, die mir in den letzten Jahren begegnet sind, und die - oft ungewollt - für so manchen Ärger gesorgt haben:

  1. "Vielleicht hast du ja doch nicht so unrecht." Dabei zeigt der Sprecher, dass er oder sie offen für andere Meinungen ist, zweifelt aber gleichzeitig die Autorität und Glaubwürdigkeit der anderen Person an.
  2. "Fakt ist, dass ..." Uh, diese Einleitung fällt oft, wenn jemand genervt ist und keine Lust auf Diskussionen hat.
  3. "Schön und gut, aber diese ganzen Details sind ja nicht wirklich wichtig. Lasst uns doch bitte endlich zum Wesentlichen kommen." Auch ein typisches Zeichen, wenn jemand ungeduldig wird. Allerdings kann diese Aussage schnell missverstanden werden, nämlich dass sich die Gruppe in Kleinigkeiten verliert, während der Sprecher selber fokussiert ist und sich nicht blenden lässt.
  4. "Das hast du gut gemacht!" Natürlich ist es wichtig, andere zu loben und Anerkennung zu zeigen. Aber solche Aussagen bewirken oft das Gegenteil: Schließlich kann so nur jemand loben, der sich besser auskennt oder wichtiger ist.
  5. "Ich denke, was XY versucht zu sagen, ist ..." Der Sprecher demonstriert, dass er oder sie ein guter Zuhörer ist. Aber auch, dass der andere ein schlechter Redner und ein wenig unfähig ist.
  6. "Ich kann verstehen, warum du das vielleicht denkst." Der Sprecher klingt sympathisch und zeigt, dass das eigene Verständnis viel weiter fortgeschritten ist.

Jedes Gesagte hängt natürlich immer vom Kontext und der Motivation ab. Aber es schadet nie, nachzudenken, wie scheinbar beiläufige Kommentare einen Schaden verursachen können.

Wie können Sie nun selbst auf solche Aussagen reagieren?

Vier Wege, um Killerphrasen erfolgreich zu entkräften

1. Direkte Ansprache: Oft verfolgen die Gesprächspartner mit Killerphrasen keine negativen Absichten. Gerade dann ist es in einem Vier-Augen-Gespräch sinnvoll, in dem Sie unmittelbar darauf hinweisen, dass die Aussage eine Abwertung Ihrer Person enthält. Dazu könnten Sie z.B. sagen "Lieber XY, mit Ihrer Aussage haben Sie mir indirekt unterstellt, dass ich mich nicht auskenne/ ein Theoretiker bin." War dies wirklich nicht die Intention Ihres Gesprächspartners, wird er erschrocken reagieren und seine eigentliche Absicht ausdrücken. Damit können Sie spätere Folgeschäden vermeiden. Verzichten Sie aber auf die direkte Ansprache in Gruppen und warten Sie lieber das Ende des Meetings ab. Sonst drehen Sie den Spieß um und der andere fühlt sich bloßgestellt.

2. Ignorieren: Manche Aussage sollten Sie lieber gekonnt ignorieren, vor allem bei Personen, von denen Sie wissen, dass die Person nur einen geringen Einfluss auf die Gruppe hat oder die Aussage nur eine reflexartige Reaktion war. In solchen Fällen zahlt es sich aus, cool zu bleiben und einfach weiterzureden, als hätten Sie nichts gehört, statt sich auf Nebenkriegsschauplätzen zu verzetteln und unnötig Energie zu verschwenden.

3. Rückfragen: Das ist meistens die angemessenste Art auf unqualifizierte Aussagen zu reagieren. Werfen Sie Ihrem Gegenüber den Ball zu und zwingen Sie ihn oder sie, zu reagieren . Stellen Sie entweder eine direkte Frage wie "Warum glauben Sie, dass das nicht funktionieren kann?" oder hinterfragen Sie die Zweckmäßigkeit seiner Aussage bewusst "Meinen Sie, dass uns Ihre Aussage weiterbringt?" Manches Mal müssen Sie allerdings immer wieder rückfragen, weil die Person mit neuen Killerphrasen argumentiert. Dann geht es darum den anderen Teilnehmern zu zeigen, dass diese Person nichts Positives beiträgt.

4. Bewusst falsch interpretieren: Nehmen wir an, ein Meeting-Teilnehmer sagt, dass ein vorgeschlagenes Vorgehen im Unternehmen nicht üblich wäre. Sie könnten daraufhin elegant kontern "Sie haben vollkommen recht: Bis dato haben wir noch keinerlei Erfahrung damit. Dementsprechend gut sollten wir die vorgeschlagenen Maßnahmen planen."

Ritter der Schwafelrunde?

Studien zeigen, dass wir fast die Hälfte unserer Arbeitszeit in Teamsitzungen verbringen. Mindestens acht dieser Meetings könnten wir problemlos jede Woche streichen. Leider stellt sich aber oft erst im Nachhinein heraus, wie sinnvoll ein Meeting tatsächlich ist/war. Noch wichtiger, dass wir dann darauf achten, dass die Meetings konstruktiv und in einem höflichen Ton stattfinden. Denn letztlich geht es in jedem Meeting um ein konstruktives Miteinander.