Kann Technologie wirklich den Aufbau von Empathie unterstützen?

Spätestens seitdem Menschen mit Steinen oder Zweigen hantieren, versuchen sie alles besser, schneller oder schöner zu machen. Unsere frühesten technologischen Innovationen fokussierten sich bereits darauf, menschliche Kognition zu verbessern. Wir waren und sind auf der Suche nach neuen Wegen, um mentale Prozesse wie Gedanken, Meinungen, Einstellungen oder auch Urteile schneller und genauer zu verarbeiten, um uns dadurch in Bezug auf Denken und Problemlösung zu verbessern. Dabei unterstützt die Technologie maßgeblich. Heute bekommen viele von uns bereits in Echtzeit Daten auf ihre Smartphones gespielt, die z.B. den präzisen CO2-Gehalt in den eigenen vier Wänden aufzeigen oder andere zuverlässige Informationen wiedergeben. Diese sind teilweise schneller, als unser Hirn sie überhaupt verarbeiten kann.

Nun werden aber auch diese Informationen ständig verbessert und das Potential weiter ausgeschöpft. Mit jedem technologischen Update steigt die Geschwindigkeit, die Anzahl der möglichen Funktionen und die Schlüsse, die wir aus den neuen Informationen ziehen können. Die Nutzer verlangen nach mehr, ihre Erwartungen wachsen. Um diese zu befriedigen, sind die Geräte gezwungen, ständig dazu zu lernen. Dazu nutzen sie die Informationen, die sie von ihren Besitzern bekommen. Auf diese Weise entsteht eine Art Partnerschaft zwischen Technologie und Mensch.

Wenn wir von der Entwicklung des Menschen sprechen, denken die meisten an die körperliche Entwicklung, die sich dem Wandel der Welt angepasst hat. Wir sehen Bilder von unserer Haltung - wie der Mensch vom affenähnlichen Gang aufrecht zu gehen und stehen gelernt hat bzw. dass wir heute wieder vermehrt sitzen. Dabei gibt es einen fast noch wichtigeren Teil in der menschlichen Evolution, der oft vergessen wird. Auch dieser ist in einem ständigen Wandel und Wachstum, nämlich die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und diese dadurch besser zu verstehen. Empathie schafft eine emotionale Ebene, die uns nicht nur erlaubt, stärkere Verbindungen miteinander einzugehen, sondern die auch den Erfolg als Spezie verstärkt.

Empathie hängt meiner Meinung nach u.a. ganz eng mit Sprache zusammen. Vieles liegt darin, die Feinheiten des Sprechers zu verstehen. Nicht nur das gesprochene Wort muss in seinem vollen Umfang begriffen werden, sondern auch die nonverbalen Gesten, die Verwendung bzw. der Einsatz der gewählten Begrifflichkeiten und das, was in der Luft liegt, aber vielleicht nicht gesagt wurde.

Wenn Technologie lernt

Sie kennen bestimmt den persönlichen, digitalen und meist auch beliebten Assistent Siri. Gerade zu Beginn hat Siri mit ihren Wortkreationen für viel Gelächter und Heiterkeit geführt und so oft bewiesen, dass sie sicherlich nicht zu den besten Zuhörern gehörte. Aber das hat sich rasend schnell geändert. Vor allem Spracherkennung ist gerade rasant auf dem Weg, das Niveau von Verständnis zu entwickeln, das es braucht, um Empathie aufzubauen. Viele Produkte auf dem Markt verstehen zwar noch nicht zuverlässig wirklich gut die unterschiedlichen Dialekte und Akzente beispielsweise. Dadurch zwingen sie die Nutzer unfreiwillig, überdeutlich zu sprechen, damit das Gerät selbst lernen kann. Aber diese Überbetonung ist nicht natürlich und auch nicht gerade förderlich für Empathie.

Die Entwicklung von Spracherkennungstechnologien steht demnach vor einer großen Aufgabe - nämlich dieses Problem zu beheben und die Software so zu verbessern, dass sowohl Explizites als auch Implizites besser verstanden werden kann. 

Aber nicht nur durch gesprochenen Worte, sondern vor allem durch die Körpersprache, Mimik und Gestik erfahren wir viel von unserem Gegenüber. Wir sehen, wie sich eine Person fühlt und was in ihr vorgeht. Computer Vision ist eine Technologie, die dabei unterstützt, die Sprache unserer Bewegungen und Ausdrücke zu analysieren und zu interpretieren. Verschiedene Gesichtserkennungssoftwaren helfen nicht nur bei der Identifizierung von Nutzern, sondern auchvon deren Gefühlslage. Oder denken Sie an Sensoren, die es uns ermöglichen, durch Gestik innerhalb von virtuellen Welten zu navigieren und zu interagieren.

Stecken wir schon mitten drinnen?

Künstliche Intelligenz hat gerade in der Vergangenheit einen schlechten Ruf erworben. Menschen haben eine natürliche Angst gegenüber Veränderungen. Noch mehr noch, wenn es darum geht, was Maschinen mit uns machen könnten. Es gibt auch noch wichtige ethische Bedenken u.a. hinsichtlich der Privatsphäre zu bedenken. Viele haben Angst, dass der Tag kommen wird, an dem Maschinen arbeitslos machen.

Aber die Wahrheit ist, dass die meisten von uns bereits den Sprung in die Zukunft gewagt haben und solche Geräte und Technologien im Alltag einsetzen.

Die Technologie hat als Aufgabe, den Menschen dabei zu unterstützen, proaktiv zu arbeiten - und besser miteinander zu interagieren. Das ist möglich, wenn wir die technischen Möglichkeiten noch stärler so einsetzen, dass sie unser Leben auch wirklich verbessern und erleichtern. Dadurch verbringen wir letztlich weniger Zeit mit unseren Geräten und haben wieder mehr Zeit füreinander.