Die Kunst, die Dinge zu Ende zu bringen

Denken Sie nur für einen Moment an all die unzähligen Ideen, die Sie nie umgesetzt haben. Wir alle starten ständig mit irgendwelchen ambitionierten Projekten - und führen sie doch nicht zu Ende. Es mangelt an Zeit, Energie, Geld oder anderem. Aber ist das wirklich so?

Der Killer jedweder Kreativität in Unternehmen ist meiner Erfahrung nach, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter dazu auffordern, Ideen einzubringen, diese dann aber sang- und klanglos in der Schublade verschwinden.

Aber nicht immer tragen andere Schuld. Meistens mangelt es an Durchhaltevermögen oder Energie. Dabei ist es extrem schwierig, dort anzuknüpfen, wo wir vorher den Faden fallen gelassen haben. So zeigt beispielsweise eine Untersuchung, dass wir im Durchschnitt alle drei Minuten eine Tätigkeit einer anderen Aufgabe zu liebe unterbrechen. Mehr als die Hälfte dieser Pausen sind dabei selbstverursacht. Bis wir wieder in den Rhythmus finden und uns daran erinnern, wo wir aufgehört haben, dauert es. Denn laut der Studie werden zwar stolze 82% aller unterbrochenen Arbeiten am selben Tag wieder aufgenommen, allerdings dauert es rund 23 Minuten und 15 Sekunden, bis Sie wieder an der richtigen Stelle Ihre Arbeit fortsetzen können.

Selbstverursachte Unterbrechungen als Muster?

Nun ist es so, dass die ganze Zeit, die Sie damit verbringen, eine Aufgabe oder eine Idee in all ihren Einzelheiten zu verstehen, zu entwickeln und fortzuführen, vollkommen umsonst ist - wenn Sie diese Gedanken letztlich nicht umsetzen. Nur eine Verwirklichung Ihrer Ideen führt zur Veränderung. Und genau das ist der Punkt, bei der uns scheinbar hindert, unsere Gedanken zu Ende zu führen. Meiner Erfahrung nach steckt hinter all diesen Unterbrechungen oft nichts anderes als Angst.

Bereit oder vorbereitet sein - das ist die Frage

Ist der Markt bereit für Ihre Idee? Haben Sie an alles gedacht, damit Ihr Projekt erfolgreich sein wird? Haben Sie alles für die Umsetzung? Ist der Gedanke überhaupt gut genug? Passt das Timing?

All das sind wichtige Fragen, die Sie sich unbedingt vor der finalen Umsetzung stellen sollten. Aber sich auf die Verwirklichung Ihrer Idee vorzubereiten, ist einfach nicht dasselbe, wie sie tatsächlich zu realisieren.

Die Dinge zu finalisieren ist eine emotionale Entscheidung, denn Sie setzen dadurch ein Zeichen, dass Sie eine Idee hatten, an deren Erfolg Sie glauben und hinter der Sie als Person stehen. Das Paradoxe dabei ist, dass je wichtiger die Idee für Sie selbst ist, desto weniger sind Sie für deren tatsächliche Umsetzung bereit. Viel zu groß ist die Angst, etwas zu übersehen oder gar ausgelacht zu werden.

Dabei zählt jede Idee, wenn Sie sich weiterentwickeln wollen. Wenn Sie nur mit Üben und Vorbereiten beschäftigt sind, verstecken Sie sich. Schlimmer noch: Sie halten damit auch den Rest der Welt eine vielleicht weltverändernde Idee vor! Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt - Sie müssen aufhören darauf zu warten, wirklich bereit zu sein.

Das Bedürfnis nach Perfektion

Letztlich ist der beste und einfachste Weg Ihre Idee zu testen nicht die Vielzahl an Variablen oder Ergebnissen im Interesse der Perfektion zu betrachten, sondern die Idee schnellstmöglich umzusetzen und sie parallel dazu anzupassen. Wenn Sie ein Kind beobachten, können Sie genau das beobachten: Mühsam richtet es sich auf, kommt ins Stolpern, fällt vielleicht hin, lernt daraus, wächst und steht immer wieder auf - bis es erfolgreich problemlos einen Schritt nach den anderen setzt. Die Fertigstellung eines Projekts ist ebenfalls ein Prozess des Lernens. Und nur wenn Lernen zur Gewohnheit wird, kann Erfolg das Ergebnis für all die Arbeit sein.

Es geht nicht darum, die Angst oder Unsicherheit in diesem Prozess zu ignorieren oder streichen zu wollen. Es geht nicht darum, jede Möglichkeit eines Scheiterns oder einer Katastrophe auszublenden oder zu minimieren. Es geht darum, sich bewusst darauf vorzubereiten, dass mit großer Wahrscheinlichkeit Probleme aufkommen werden, an die Sie im Vorfeld nicht gedacht haben. Ihre Aufgabe besteht dann darin, im Fall des Falles adäquat damit umzugehen. Nur so können Sie lernen und verbessern. Und das Projekt bekommt eine reale Chance, auch tatsächlich etwas zu bewirken.

Was werden andere nur von mir denken?

Jeder Mensch hat das Grundbedürfnis, geliebt zu werden. Nicht jeder wird von Ihren Gedanken begeistert sein oder Sie mit Lobhymnen überschütten. Deswegen ist es auch ganz natürlich, dass unsere größte Sorge dem gilt, was andere von uns denken könnten oder wie Sie uns wahrnehmen. Wenn eine Idee dann durchfällt, ist es schwer, das nicht persönlich zu nehmen - vor allem, wenn Sie viel Zeit oder Geld investiert haben. Kein Wunder, dass es einfacher ist mit Dingen zu starten, anstatt sie zu einem Ende zu bringen. Aber: Ein Projekt ist eine Chance für Veränderung und nicht eindeutiger Zeuge Ihres Charakters. Wenn aus der Idee nichts wird, ist es die Idee, die nicht funktioniert hat - nicht Sie als Mensch.

Fazit

Das größte Hindernis, die Dinge umzusetzen, befindet sich zwischen Ihren zwei Ohren - es sind all Ihre Ängste und Zweifel. Nachzudenken und zu zögern ist nichts Falsches, sondern im Gegenteil oft ein wichtiger Schritt. Schließlich wollen Sie etwas machen, das auch etwas bewirkt und erfolgreich sein kann. Aber es gibt einen Punkt, an dem all das Prüfen und Perfektionieren nichts weiter ist, als ein Verstecken. Je länger Sie die Finalisierung hinauszögern, desto länger enthalten Sie sich selbst eine wichtige Lernerfahrung vor. Denn, wenn Sie Ihre Ideen nicht umsetzen, werden Sie nie wissen, ob sie geklappt hätten oder nicht.