Diagnose: Prokrastination

Haben Sie sich schon einmal untersuchen lassen, ob Sie unter Prokrastination leiden? Diese Krankheit ist verbreiteter, als Sie vielleicht denken. Gar nicht so unwahrscheinlich, dass Sie sich auch schon damit infiziert haben... Unbehandelt wird dieses Phänomen schnell zur chronischen Krankheit. Die gute Nachricht: Es gibt hilfreiche Gegenmittel. Bevor Sie sich jetzt aber Sorgen machen, gebe ich schon wieder Entwarnung: Bei Prokrastination handelt es sich nämlich nicht um eine lebensbedrohliche Krankheit oder gar einen neuen Virus - vielmehr ist es das Phänomen der Aufschieberitis.

Das ständige Aufschieben von Aufgaben führt fast unweigerlich zur Illusion der Freiheit. Wir beginnen uns vorzumachen, wir hätten unzählige Stunden an Zeit zur Verfügung. Das führt wiederum zu einem trügerischen Gefühl einer vermeintlichen Sicherheit. Menschen, die gerne aufschieben, sind oft optimistisch und glauben, dass sie alles unter Kontrolle haben. Dadurch bleibt folglich ja auch genügend Zeit, alles zu tun, was man sich so vornimmt. Nur wird dabei unterschätzt, wie viel Zeit wirklich benötigt wird, um bestimmte Aufgaben zu erledigen. So kann es leicht passieren, dass eine Aufgabe auf 30 Minuten geschätzt wird, die eigentlich zwei Stunden Zeit einfordert.

Hinter Prokrastination stecken oft Ängste, denen wir uns gar nicht bewusst sind wie Ärger, Perfektionismus und Selbstzweifel. Aufschieberitis lässt uns kurzfristig diese Ängste vergessen, die Ursachen bleiben allerdings bestehen.

Die wirklich wichtigen Prioritäten setzen

Eine gute Planung ist die halbe Miete, wenn es darum geht, der Aufschieberitis Einhalt zu gebieten. Meistens haben die Betroffenen Schwierigkeiten, das wirklich Wichtige vom Nebensächlichen zu unterscheiden, die Zeit gut einzuteilen und sich auf die Aufgaben voll und ganz zu konzentrieren. Wenn - und sei es nur kurz - die Angst vor Fehlern und Scheitern aufflackert, scheint der einzig mögliche Ausweg darin zu liegen, die Dinge auf die lange Bank zu schieben. Und wir suchen nach schnellen Erfolgserlebnisse, die eher im Aufarbeiten von kleinen Arbeiten versteckt sind, als in der Lösung der größeren, zeitfressenden Aufgaben.

Wie können Sie selbst der Prokastination entkommen?

Schaffen Sie sich einen Überblick
Ordnung hilft, zu erkennen, welche Aufgaben Priorität haben sollten und was ansteht.

Atmen Sie kurz durch
Wenn die Panik an Macht gewinnt. Anstatt sich selbst im Weg zu stehen, gilt es, die Zeit richtig einzuschätzen und den Aufwand der Aufgabe richtig zu erkennen.

Hören Sie auf damit, Listen zu schreiben
Kleine Erfolgserlebnisse sind sicher wichtig und gut, aber oft machen wir uns Listen, um uns nicht mit den eigentlichen Aufgaben beschäftigen zu müssen

Fokussieren Sie sich
Blockieren Sie sich Ihre Zeit und gehen Sie offline. Dadurch sind Sie weniger abgelenkt und können Ihre Energie richtig einsetzen.

Fazit

Da Prokrastination fast unweigerlich zum beruflichen Alltag gehört, ist es wichtig, dass Sie genau beobachten, inwiefern Sie dadurch Ihr Leben negativ beeinträchtigen. Leidet Ihre Stimmung darunter? Führt es zu Konflikten? Fühlen Sie sich überlastet und ausgepowert? Die WWU Münster hat einen guten Selbsttest entwickelt, der Ihnen dabei hilft, herauszufinden, ob Sie unter Prokrastination, Depressivität oder Aufmerksamkeitsstörung leiden. Aber das Wichtigste: Seien Sie nicht zu streng zu sich selbst und behandeln Sie sich vor allem liebevoll. Es ist normal, ab und zu mal die Dinge aufzuschieben. Gefährlich wird es, wenn das ganze chronisch wird.