5 Dinge, die Sie über Kreativität und Geräusche (wahrscheinlich) noch nicht wussten

„Wir brauchen mehr kreative Köpfe!“ Diese Worte höre ich oft, wenn ich nach anstehenden Herausforderungen bzw. mögliche Probleme in Unternehmen frage. Dabei klingeln mir jedes Mal die Ohren. Irgendwie stößt mir bei diesem Satz der schale Beigeschmack nach Verantwortung abschieben auf. Was diese Aussage nämlich implizit sagt, ist, dass es nur (mehr) ideenreiche bzw. kreative Mitarbeiter braucht und das vorher noch marode Unternehmen ist automatisch kreativer, innovativer und damit erfolgreicher. Auserwählte Mitarbeiter werden sodann zum Teil wochenlang ins stille Kämmerchen gepfercht, um dort mit teilweisen skurrilen Methoden und unter Zwang aus ihnen Ideen rauszuquetschen.

Kreativität lässt sich aber nun nicht einfach mal so nebenbei machen. Was aber wohl machbar ist, sind Rahmenbedingungen aufzustellen, in denen Kreativitätsmuster entstehen können.

In diesem Artikel möchte ich Ihnen 5 Ideen geben, wie Sie alleine durch die passende Geräuschkulisse Kreativität fördern (oder blockieren) können:

"Die Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst: Sie verrät nie ihr letztes Geheimnis." (Oscar Wilde)

1. Musiktraining steigert unsere Bewegungs- und Denkfähigkeiten erheblich

Kinder, die von ihren Eltern dazu motiviert werden, mindestens ein Musikinstrument zu erlernen, können später wirklich dankbar dafür sein. So zeigt eine Studie, dass Kinder, die drei oder mehr Jahre Unterricht im Spielen eines Musikinstruments hatten, in Sachen Kreativität besser abschnitten als diejenigen, die nie ein Instrument spielen konnten. Denn dieses besondere Training verbessert vor allem die auditive Unterscheidungsfähigkeit und die Feinmotorik.

Die Kinder mit Musikunterricht schnitten aber auch besser im Hinblick auf einen größeren Wortschatz ab und waren auch besser im logischen Denken, vor allem bezogen auf das Verstehen und Analysieren visueller Informationen sowie die Identifizierung von Beziehungen, Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen Formen und Mustern beinhaltet.

2. Umgebungsgeräusche beeinflussen positiv unsere Kreativität

Viele ahnten es vielleicht schon: Gerade beim kreativen Arbeiten ist laute Musik nicht immer die beste Wahl. Forscher fanden im Zuge einer Studie heraus, dass ein moderater Geräuschpegel ideal für Kreativität ist. Mehr noch als ein niedriger Geräuschpegel, lassen Umgebungsgeräusche unsere kreativen Säfte fließen.

Die Erklärung dahinter lautet, dass ein moderater Rauschpegel die Verarbeitungsschwierigkeiten erhöht, was wiederum die abstrakte Verarbeitung fördert. Das führt zu mehr Kreativität. Ein hoher Lärmpegel andererseits beeinträchtigt unser kreatives Denken, da wir dadurch schlicht und ergreifend uns überwältigt fühlen und Schwierigkeiten haben, Informationen effizient zu verarbeiten.

3. Musik lenkt beim Fahren ab

Eine andere Studie, die an Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt wurde, konzentrierte sich darauf, wie die Konzentrationen beim Lenken eines Autos durch das Hören von Musik beeinflusst wird. Die Probanden wurden beim Fahren beobachtet, während sie ihrer eigenen Musik, Stille und einer Auswahl von Musikstücke durch die Forscher lauschten. Zwar bevorzugten die Fahrer ihre eigene Musikwahl, dennoch war gerade diese am hinderlichsten bezogen auf ihre Fahrsicherheit. So machten die Teilnehmer mehr Fehler und fuhren aggressiver, wenn sie ihre eigene Musikauswahl hörten. Überraschend war allerdings, dass die Musik, die von den Forschern bereitgestellt wurde, als vorteilhafter erwies als wenn gar keine Musik abgespielt wurde.

Es scheint, dass unbekannte oder uninteressante Musik am besten für sicheres Fahren geeignet ist.

4. Klassische Musik fördert die visuelle Aufnahmefähigkeit

Klassische Musik hat viele Vorzüge - auch im Bereich der Gesundheit und des Wohlempfindens. So fanden Forscher heraus, dass bei Schlaganfallpatienten sich eine deutliche Verbesserung der visuellen Aufnahmefähigkeit durch das Hören von klassischer Musik zeigte.

Dazu verglich die Studie Ergebnisse von Untersuchungen, bei denen die Teilnehmer weißes Rauschen sahen und Stille hörten. Die Forscher konnten so eindeutig feststellen, dass Stille wie auch in der bereits zuvor erwähnten Fahrstudie zu den schlechtesten Ergebnissen führte.

5. Telefonanrufe sind störender als normale Gespräche

Eine andere Studie, die sich auf den Lärmpegel innerhalb von Unternehmen konzentrierte, zeigte, dass Telefongespräche, bei denen wir nur die eine Seite der Unterhaltung hören, die schlimmsten Übeltäter sind. Nichts lenkt uns mehr ab.

So lösten für diese Studie die Probanden Kreuzworträtsel, während die eine Hälfte von ihnen eine Seite eines alltäglichen Telefongesprächs im Hintergrund mithörte. Die andere Hälfte hörte dagegen das ganze Gespräch zwischen zwei im selben Raum anwesenden Personen. Diejenigen, die nur Ausschnitte aus dem Telefonat gehört hatten, fanden es viel störender. Sie erinnerten sich auch mehr an den Inhalt des Telefonats und zeigten, dass es die Aufmerksamkeit mehr anstrengte als bei denjenigen, die beide Seiten gehört haben.

Die Unvorhersehbarkeit und die Lücken, die beim Hören einer einseitigen Konversation automatisch entstehen, fordert deutlich mehr Anstrengung und Aufmerksamkeit als wenn Sie das gesamte Gespräch hören können. In ersterem Fall fehlt einfach der Kontext und die eigene Vorstellungskraft wird automatisch aktiviert. Dadurch wird es einfach, Ablenkungen zuzulassen.

Fazit

Wenn Sie wirklich Kreativität in Ihrem Unternehmen fördern wollen, führt meiner Meinung nach kein Weg daran vorbei, als unterschiedliche Köpfe und Erfahrungen zusammenzubringen. Wenn Sie dann noch u.a. die richtige Dosis an Musik und Geräusche im Hintergrund anbieten, haben Sie die perfekte Basis, um die kreativen Säfte fließen zu lassen.