6 Rollen in Gruppen, die Sie unbedingt kennen müssen

Nichts ist im Design Thinking so wichtig wie das Team. Je unterschiedlicher die verschiedenen Perspektiven und Erfahrungen sind, desto besser wird Ihre Lösung werden.

Nehmen wir nun mal an, Sie haben für Ihren Design-Thinking-Workshop unterschiedliche Personen aus Ihrem Unternehmen zusammengebracht. Sie setzen große Hoffnungen in die Gruppe. Aber irgendwie haben Sie das Gefühl, dass etwas schief läuft - es scheint, als würde die Gruppe Ihr Unterfangen boykottieren...

 Beispiele aus dem Alltag

  • In der Gruppe gibt es eine Person, die sich ständig überkritisch gegenüber allen anderen Ideen äußert, aber selbst nicht viel beiträgt. Solche Fehlersuche entmutigt andere, ihre Ideen auszusprechen.

  • Ein anderer Kollege wiederum ist maximal körperlich anwesend. Wenn Sie nach seiner Meinung fragen, bekommen Sie im besten Fall ein Herumgestammel oder eine Zustimmung dessen, was dominantere Kollegen bereits gesagt haben.

  • Ein Mitglied in der Gruppe, das ständig herumblödelt und dadurch die Dynamik der Diskussion stört.

Spielt sich in Ihrer Gruppe eines dieser Beispiele ab, ist Vorsicht angesagt! Solch eine Gruppendynamik ist Gift für den Projekterfolg und untergräbt gleichzeitig die Moral und das Engagement aller Beteiligten im Eiltempo.

Was bedeutet eigentlich der Begriff der Gruppendynamik?

Kurt Lewin, Sozialpsychologe und Change-Management-Experte, hat in den 1940er Jahren den Begriff der „Gruppendynamik“ geprägt. Lewin stellte fest, dass Menschen oft unterschiedliche Rollen und Verhaltensweisen annehmen, die sich nicht mit ihrem normalen Verhalten decken, wenn sie in einer Gruppe agieren. Der Begriff der Gruppendynamik beschreibt die Auswirkungen dieser Rollen und Verhaltensweisen auf andere Gruppenmitglieder bzw. auf die Gruppe als Ganzes.

 
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Positive versus negative Gruppendynamik

Eine Gruppe mit einer positiven Dynamik ist leicht zu erkennen: Die Teammitglieder vertrauen einander, arbeiten kollektiv auf eine Entscheidung zu und fühlen sich gegenseitig verantwortlich für die Dinge, die geschehen. Wenn eine solche Dynamik in einer Gruppe herrscht, ist bereits die halbe Miete gewonnen. Forschungen zeigen, dass Teams mit einer solchen Gruppendynamik doppelt so kreativ sind wie eine durchschnittlichen Gruppe.

In einer Gruppe mit schlechter Gruppendynamik stört das Verhalten der einzelnen Personen den gesamten Prozess und die Atmosphäre. Eine häufige Folge ist, dass die Gruppe zu keiner Entscheidung findet oder eine schlechte Wahl trifft, da die Gruppenmitglieder die verschiedenen Möglichkeiten nicht gut genug auskundschaften konnten.

Was sind die Ursachen für eine schlechte Gruppendynamik?

Sowohl die Moderatoren als auch die einzelnen Mitglieder des Teams können zur negativen Gruppendynamik beitragen.

Werfen wir einen Blick auf einige der häufigsten Probleme, die auftreten können:

  • Führungsschwäche: Wenn dem Team ein starker Führer fehlt, übernimmt oft das dominanteste Mitglied der Gruppe die Führung. Das kann zu Machtkämpfen führen oder dass in der falschen Richtung nach Lösungen gesucht wird oder dass der Fokus auf den falschen Prioritäten liegt.

  • Übertriebene Obrigkeitshörigkeit: Wenn Teammitglieder (unbewusst) unterstreichen wollen, dass sie dem Projektleiter/Moderator vollkommen zustimmen, halten sie die eigene Meinung zurück und widersprechen nicht.

  • Blockieren: Wenn die Teammitglieder sich so verhalten, dass der Informationsfluss in der Gruppe gestört wird, kommt es zu Blockaden.

Die "schwarzen Schafe" im Detail

  1. Der Angreifer: ist oft nicht einverstanden mit der Meinung anderer, verkündet das auch gerne lauthals oder äußert sich unangemessen.

  2. Der Verneiner: spricht sich oft entschieden gegen andere Ideen aus. Einfach aus Prinzip.

  3. Der Außenstehende: will sich an Diskussionen erst gar nicht beteiligen.

  4. Der nach Anerkennung Suchende: ist prahlerisch und versucht das Meeting zu dominieren.

  5. Der Clown: hat lauter Witze auf Lager, die oft unpassend, unlustig sind und die Gruppe nerven.

  6. Der Trittbrettfahrer: lässt seine Kollegen die ganze Arbeit machen. Trittbrettfahrer sind oft für sich alleine sehr fleißig, aber begrenzen sehr stark ihre Arbeit in Gruppensituationen. Auch bekannt unter dem Begriff „soziales Faulenzen.

Wie kommt es zu diesen Rollen?

Wenn die Teammitglieder spüren, dass sie übermäßig hart von anderen Gruppenmitgliedern beurteilt werden, sorgt das für Spannung innerhalb des Teams.
Das kann zu zwei Ergebnissen führen:

  1. Im schlimmsten Fall halten Personen ihre eigene Meinung zurück. Wenn das passiert, ist es schwerer mit einander zu kommunizieren und herauszufinden, warum jemand nur schweigt - vor allem, wenn man diese Person nicht in anderen Rollen kennt.

  2. Im besseren Fall kommt es zum Austragen dieser Emotionen in der Gruppe. Ein reflektierter und geübter Moderator spürt diese Spannungen und kann so schnell intervenieren.

Strategien zur positiven Gruppendynamik

Lernen Sie Ihr Team kennen

Als Moderator/Projektleiter führen Sie Ihr Team durch den Design-Thinking-Prozess.

  • Starten Sie damit, dass Sie sich zunächst selbst über das Phänomen der Gruppendynamik bewusst werden.

  • Versuchen Sie die verschiedenen Gruppenrollen schon vorab zu identifizieren und zu verstehen, wie diese sich auf die Gruppe als Ganzen auswirken wird. Das wird Ihnen helfen, schnell auf Probleme zu reagieren bzw. diese schon im Vorhinein abzufangen.

Spüren Sie schnell mögliche Probleme auf

Wenn Sie merken, dass ein Mitglied Ihres Teams andere stört oder verunsichert, sollten Sie schnell reagieren.

  • Geben Sie dem Betroffenen Rückmeldung über die möglichen Auswirkungen der Handlung.

  • Ermutigen Sie ihn oder sie dazu, das Verhalten zu ändern. Machen Sie das am besten aber nicht in der Gruppe, sondern bitten Sie um eine kurze Unterredung unter vier Augen.

Rollen und Verantwortlichkeiten definieren

Ein Team, dem der Fokus oder die Richtung fehlt, kann schnell eine schlechte Dynamik entwickeln, da die Menschen kämpfen, um ihre Rolle in der Gruppe zu verstehen.

  • Erstellen Sie deswegen bereits bei der Teamaufstellung ein Team Charter, in dem Sie die Mission der Gruppe und die einzelnen Pflichten festlegen.

  • Stellen Sie sicher, dass jeder schon im Vorfeld dieses Dokument kennt und erinnern Sie die anderen regelmäßig daran, sich dieses Dokument immer wieder mal anzusehen.

Grenzen überwinden

Verwenden Sie Team-Building-Maßnahmen, um einander besser kennenzulernen, insbesondere wenn neue Mitglieder in die Gruppe kommen.

  • Bestimmte Übungen erleichtern neuen Kollegen den Einstieg in die Gruppe und tragen zu einem starken Wir-Gefühl ungemein bei.

Konzentrieren Sie sich auf Kommunikation

Eine offene Kommunikation ist von zentraler Bedeutung - auf in Bezug auf Gruppendynamik.

  • Sorgen Sie dafür, dass jeder klar kommuniziert.

  • Besprechen Sie Regeln für alle Formen der Kommunikation, die Ihre Gruppe verwendet - E-Mails, Meetings, Beobachtungen, Interviews etc. - um Unklarheiten zu vermeiden.

  • Wenn sich der Status eines Projekts ändert oder wenn es wichtige Neuerungen gibt, sollten alle Beteiligten so schnell wie möglich dann erfahren. Auf diese Weise können Sie sicherstellen, dass jeder die gleichen Informationen hat.

Kennen Sie die Warnzeichen

Achten Sie besonders auf auffallend häufig stattfindende, einstimmige Entscheidungen, da diese ein Zeichen für Gruppendenken ist.

  • Wenn dies der Fall ist, ermutigen Sie das Team, neue Wege zu gehen, anonym abzustimmen oder die verschiedenen Ansichten zu diskutieren.

 

Ein wichtiger Teil Ihrer Rolle als Moderator einer Design-Thinking-Session ist, darauf zu achten wie Ihre Gruppe interagiert. Viele der Verhaltensweisen, die zu einer schlechten Dynamik führen, können leicht überwunden werden - wenn Sie sie rechtzeitig enttarnen.

 

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